Skandal an der Universität Freiburg: Ehemaliger Studienberater filmte heimlich Hunderte Frauen
Ein schwerwiegender Fall von heimlichen Videoaufnahmen erschüttert die Universität Freiburg. Ein früherer Mitarbeiter der Hochschule soll mehr als 800 Frauen in intimen Situationen ohne deren Wissen gefilmt haben. Die Aufnahmen entstanden laut Angaben der Staatsanwaltschaft nicht nur in privaten Wohnungen, die der Mann vermietete, sondern auch während Dienstreisen und – besonders alarmierend – in Sanitärräumen der Universität selbst sowie in offiziellen Beratungssituationen.
Universität reagiert auf massive Kritik von Studierenden
Die Universität Freiburg steht nach Bekanntwerden der Vorfälle unter erheblichem Druck. Bei einer kürzlich durchgeführten Austauschveranstaltung äußerten zahlreiche Studierende und Mitarbeiter Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Hochschule. Viele bemängelten unzureichende Unterstützung und Kommunikation seitens der Universitätsleitung.
In einer Stellungnahme räumte die Universität ein: „Viele von Ihnen haben zum Ausdruck gebracht, dass Sie sich mehr Unterstützung und Kommunikation gewünscht hätten.“ Als Konsequenz kündigte die Hochschule an, den bisherigen Umgang mit dem Fall extern aufarbeiten zu lassen und Betroffene bestmöglich zu unterstützen.
Rechtliche Entwicklung und neue Ermittlungen
Das Amtsgericht Freiburg verurteilte den ehemaligen Mitarbeiter vor kurzem zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Die Staatsanwaltschaft, die ursprünglich zweieinhalb Jahre Haft gefordert hatte, legte jedoch Berufung ein, sodass der Fall nun vor dem Landgericht verhandelt wird.
Gleichzeitig haben sich bei der Polizei Freiburg weitere Personen gemeldet, die möglicherweise betroffen sind. Staatsanwaltschaft und Polizei bestätigten, dass derzeit ein Prüfvorgang läuft, um zu klären, ob ein Anfangsverdacht für weitere Straftaten besteht. Die genaue Anzahl neuer Hinweise oder Betroffener ist noch nicht bekannt.
Universität verspricht Konsequenzen und Prävention
Die Universität Freiburg betonte, dem Mitarbeiter sei bereits im Februar 2024 nach Bekanntwerden der Vorwürfe und Durchsuchungen fristlos gekündigt worden. Nach einer Kündigungsschutzklage einigte man sich im Sommer 2024 auf einen Vergleich.
Als Reaktion auf den Skandal kündigte die Hochschule konkrete Maßnahmen an:
- Intensivierung von Schutz- und Präventionsmaßnahmen
- Stärkung der Beratung, Prävention und Unterstützung für Betroffene
- Weiterentwicklung des Konzepts zum Schutz vor sexueller Belästigung
Studierende hatten bereits bei einer Kundgebung zu Beginn der Woche eine konsequente Aufarbeitung und besseren Schutz für Betroffene gefordert. Die Universität verspricht nun, diese Forderungen ernst zu nehmen und strukturelle Verbesserungen umzusetzen.



