China verbietet Asche-Aufbewahrung in Wohnungen als Reaktion auf explodierende Bestattungskosten
Die chinesische Regierung hat mit einer neuen Verordnung ein ungewöhnliches Phänomen gestoppt: die Nutzung von Wohnungen als Aufbewahrungsort für die Asche Verstorbener. Diese Praxis war als Reaktion auf die extrem hohen Kosten für traditionelle Bestattungen entstanden, wird nun aber explizit verboten.
Hintergrund: Exorbitante Bestattungskosten in China
Die Entscheidung Pekings kommt nicht von ungefähr. Bereits im Jahr 2020 hatte der britische Versicherer Sun Life berechnet, dass Bestattungskosten in China fast die Hälfte eines durchschnittlichen Jahresgehaltes verschlingen können. Der chinesische Rechtsexperte Zhang Yong verwies Anfang dieses Jahres in der staatlichen „Volkszeitung“ zudem auf undurchsichtige Bestattungsgebühren, die viele Familien vor enorme finanzielle Herausforderungen stellen.
Die neue Verordnung für das Bestattungswesen, die seit dem 30. März in Kraft ist, verbietet nicht nur die Nutzung von Wohnungen für die Aufbewahrung von Totenasche, sondern untersagt auch die Bestattung von Toten oder das Errichten von Gräbern außerhalb offizieller Friedhöfe.
Wohnungsmarkt-Krise schuf ungewöhnliche Alternative
Die Attraktivität von Wohnungen als Asche-Aufbewahrungsort entstand durch eine paradoxe Marktentwicklung: Während Bestattungen seit Jahren teurer wurden, sinken parallel die Wohnungspreise als Folge einer anhaltenden Immobilienkrise. Dieser Abwärtstrend einer Branche wurde von einigen Bürgern kreativ genutzt.
In China pachten Menschen Gräber typischerweise für 20 Jahre. Wer hingegen in kleineren Städten eine Wohnung kauft, kann langfristig mitunter günstiger davonkommen, da die Wohnungspachtzeit in China 70 Jahre beträgt. Diese wirtschaftliche Kalkulation führte zur Entstehung sogenannter „Knochen-Asche-Wohnungen“.
Soziale Medien reagieren mit Skepsis auf Verbot
In sozialen Netzwerken kursierten schon länger Videos von Nutzern, die hinter Wohnungen mit auffälligem Türschmuck oder dauerhaft geschlossenen Vorhängen solche unkonventionellen Asche-Aufbewahrungsorte vermuteten. Die Ankündigung des Verbots löste bei vielen Nutzern Skepsis aus.
Auf Weibo – Chinas Pendant zu X – fragte ein Nutzer: „Wie soll man das kontrollieren, die Tür eintreten?“ Andere forderten stattdessen, gegen die überhöhten Preise auf Friedhöfen vorzugehen, anstatt die kreativen Alternativlösungen der Bürger zu verbieten.
Zeitpunkt kurz vor traditionellem Totengedenken
Das Verbot wurde nur wenige Tage vor dem Qingming-Festival wirksam, dem chinesischen Totengedenkfest an diesem Wochenende, bei dem Familien traditionell die Gräber von Verwandten besuchen. Dieser zeitliche Zusammenhang unterstreicht die Dringlichkeit, mit der die Regierung das Thema angeht.
Demografischer Wandel verschärft das Problem
Die Bestattungsproblematik steht im größeren Kontext des demografischen Wandels in China. Die Gesellschaft altert und schrumpft, weil mehr Menschen sterben als auf die Welt kommen. 2025 erfassten Pekings Statistiker eine historisch niedrige Geburtenrate von nur 5,63 je 1.000 Menschen.
Auch das Ende der jahrzehntelangen Ein-Kind-Politik vor zehn Jahren, mit der Peking das Bevölkerungswachstum kontrollierte, kehrte den Trend bislang nicht um. Diese demografische Entwicklung verschärft langfristig die Herausforderungen im Bestattungswesen, da mehr Menschen bestattet werden müssen, während die traditionellen Methoden für viele Familien unerschwinglich bleiben.
Die neue Verordnung markiert somit einen Versuch der chinesischen Regierung, Ordnung in ein System zu bringen, das durch wirtschaftliche und demografische Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ob das Verbot praktisch durchsetzbar ist und ob alternative Lösungen für die Bestattungskosten-Krise gefunden werden, bleibt abzuwarten.



