Indien startet historische digitale Volkszählung mit 1,4 Milliarden Menschen
Neu-Delhi – Mit einem gewaltigen logistischen Aufwand hat Indien heute die größte Volkszählung der Weltgeschichte gestartet. Über drei Millionen speziell geschulte Mitarbeiter sind im Einsatz, um die geschätzten 1,4 Milliarden Einwohner des Landes zu erfassen. Diese 16. Volkszählung Indiens ist die erste seit mehr als 15 Jahren und läuft erstmals komplett digital ab.
Digitaler Zensus mit zweijährigem Prozess
Die Behörden bezeichnen das Projekt als „ehrgeizigstes demografisches Vorhaben in der Geschichte Indiens“ und als „größte administrative und statistische Aufgabe weltweit“. Der sogenannte „Zensus 2027“ – benannt nach dem Jahr der zweiten Phase – wurde ursprünglich für 2021 geplant, musste jedoch aufgrund der Pandemie, organisatorischer Hürden und Wahltermine verschoben werden.
Die Volkszählung verläuft in zwei klar getrennten Phasen:
- In der aktuell gestarteten ersten Phase werden Daten zu Wohnraum, Einrichtung und Besitz der Familien gesammelt
- 2027 folgt die eigentliche Bevölkerungszählung mit detaillierten Fragen zu Einkommen, Bildung, Migration und Fruchtbarkeit
Neue digitale Möglichkeiten für Bürger
Ein Novum dieser Zählung ist die vollständige Digitalisierung des Prozesses. Die Mitarbeiter erfassen die Informationen über eine spezielle Smartphone-App, während die Bürger erstmals die Möglichkeit haben, ihre Angaben selbst online einzugeben. Diese moderne Herangehensweise soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Genauigkeit der Daten verbessern.
Das primäre Ziel der umfangreichen Erhebung ist die Schaffung einer aktuellen und verlässlichen Datengrundlage für Sozialprogramme und staatliche Projekte. Indien benötigt präzise demografische Informationen, um seine umfangreichen Entwicklungsprogramme zielgerichtet planen und umsetzen zu können.
Bevölkerungswachstum und sensible Themen
Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2011 zählte Indien noch mehr als 1,2 Milliarden Einwohner. Schätzungen zufolge ist diese Zahl inzwischen auf weit über 1,4 Milliarden angestiegen. Vor drei Jahren löste Indien nach Einschätzung der Vereinten Nationen China als bevölkerungsreichstes Land der Welt ab.
Ein besonders sensibles Thema der aktuellen Befragung ist die Abfrage der Kastenzugehörigkeit. Das uralte Kastenwesen beeinflusst weiterhin das Leben zahlreicher Inderinnen und Inder in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Kritiker befürchten, dass die explizite Erfassung dieser Information alte Konflikte neu entfachen könnte, während Befürworter auf die Notwendigkeit genauer Daten für gezielte Förderprogramme verweisen.
Die Vorbereitungen für dieses Mammutprojekt dauerten mehr als ein Jahr und umfassten intensive Schulungen der Millionen von Zählern sowie die Entwicklung der notwendigen technischen Infrastruktur. Die vollständige Auswertung der gesammelten Daten wird voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen, verspricht aber ein detailliertes Bild der indischen Gesellschaft zu Beginn des dritten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts.



