Bücherboxen in Neubrandenburg: Ehrenamtliche sorgen für Nachschub
Bücherboxen: Ehrenamtliche sichern Lesestoff in Neubrandenburg

Manfred Jeske und André Ratzmann sorgen dafür, dass alten Telefonzellen niemals die Bücher ausgehen. Die beiden Ehrenamtlichen kümmern sich um die vier Bücherboxen in Neubrandenburg, die aus ausrangierten Telefonzellen entstanden sind. Beim Aufräumen finden sie manchmal merkwürdige Dinge – von leeren Schnapsflaschen bis hin zu Müll.

Ein Rentner mit Mission

Der 74-jährige Manfred Jeske hat seine Sonnabende gut eingeteilt. Nach seiner Schicht als Pförtner, mit der er sich etwas zur Rente dazuverdient, geht er auf Tour und fährt alle vier Bücherboxen in seiner Stadt ab. Dort sieht er nach dem Rechten und sorgt wieder für Ordnung. „Nicht selten liegt dort Müll rum“, schüttelt Jeske den Kopf. In der Bücherzelle in der Oststadt, die in der Vergangenheit oft Zielscheibe zerstörungswütiger Mitbürger war, steht regelmäßig eine leere Flasche Schnaps zwischen den Büchern. „Immer die gleiche Sorte“, wundert sich Jeske. Genauso regelmäßig räumt der Rentner die Flasche weg, sammelt auf, was nicht in die Bücherzelle gehört, und wischt den Staub von den Scheiben. Dann sortiert er „frische“ Ware in die Regale.

Sieben Jahre Bücherboxen

Seit sieben Jahren können die Neubrandenburger ihren Lesehunger in den umgebauten Telefonzellen stillen. 2019 wurde die erste Bücherbox vor dem Ärztehaus an der Marienkirche in der Innenstadt aufgestellt, initiiert von der Neubrandenburger Bürgerstiftung. Mittlerweile gibt es drei weitere Standorte: auf dem Schulhof des Einstein-Gymnasiums, vor der Kreismusikschule in der Ziegelbergstraße und in der Oststadt.

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Nachschub vom Altpapierhändler

Rentner Jeske hat auch seine Donnerstage geregelt. Alle zwei Wochen fährt er beim Neubrandenburger Altpapierhändler André Ratzmann vorbei und besorgt sich Nachschub. Der 41-Jährige sortiert schon vorher gut erhaltene Bücher aus Haushaltsauflösungen aus. „Zwei Kisten nehme ich immer mit“, sagt Jeske. Ratzmann will dafür nichts haben – es sei seine Unterstützung für die Bürgerstiftung. Wie viele Bücher in den vergangenen fünf Jahren den Weg in die ehemaligen Telefonzellen gefunden haben, kann Ratzmann nicht mehr sagen. „Einige Tonnen waren das bestimmt“, schätzt der Altpapierhändler.

Bürgerstiftung als treibende Kraft

87 Menschen haben 2017 die Bürgerstiftung in Neubrandenburg ins Leben gerufen. „Bürgerschaftliches Engagement soll gefördert und damit das Leben in der Viertorestadt lebenswerter gestaltet werden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Wilfried Holze. Zu den Gründungsstiftern sind knapp 30 Neue dazugekommen. Jedes Jahr unterstützt die Stiftung mindestens zehn Projekte gemeinnütziger Initiativen und Vereine.

Dank an alle Helfer

Am Montag, dem 18. Mai, um 13 Uhr will die Bürgerstiftung an der Bücherbox vor dem Ärztehaus allen Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern danken. Der laufende Betrieb und alle notwendigen Sanierungsarbeiten wurden durch zahlreiche Spenden Neubrandenburger Unternehmen ermöglicht, darunter die Einzelhändlerin Dana Dohndorf, die Tischlerwerkstatt der Kolping Initiative und der Glasermeister Eyk Peper. „Es sind aber noch viel mehr gewesen“, freut sich Wilfried Holze über das Engagement.

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