Influencer-Spielzeug für Kleinkinder: Kritiker warnen vor frühem Druck auf Kinder
London – Eine neue Generation von Spielzeugen sorgt für kontroverse Diskussionen unter Eltern und Experten. Anstelle traditioneller Spielsachen wie Holzeisenbahnen oder Werkzeugkästen bieten Hersteller nun spezielle Influencer-Sets aus Holz an, die bereits Kleinkinder ab zwei Jahren auf eine mögliche Karriere in sozialen Netzwerken vorbereiten sollen.
Das Spielzeugset im Detail
Das umstrittene Spielzeugset enthält alle Utensilien, die junge Influencer auf ihrem Weg zum Internet-Ruhm benötigen könnten: Ein Stativ mit integriertem Ringlicht, ein Smartphone aus Holz, einen Selfiestick und eine Kamera. Verpackt ist das gesamte Set in einer babyblauen Kordeltasche, die den spielerischen Charakter unterstreichen soll. Der Preis liegt bei etwa 30 Euro.
Laut Berichten des britischen „Guardian“ hat dieses Angebot eine intensive Debatte ausgelöst. Während die Hersteller betonen, dass solche Spielzeuge die Kreativität von Kindern durch Berufsrollenspiele fördern sollen, sehen Kritiker darin eine problematische Entwicklung.
Experten warnen vor psychologischen Folgen
Daisy Greenwell, Leiterin der Interessengruppe „Smartphone Free Childhood“, äußert deutliche Bedenken: „Es wirkt befremdlich, eine sehr erwachsene, performative Welt als harmloses Holzspielzeug darzustellen. Influencern geht es primär um Aufmerksamkeitserzeugung. Wir müssen uns ernsthaft fragen, welche Werte wir Kindern vermitteln, wenn wir sie dazu einladen, diese Welt nachzuahmen.“
Dr. Francis Rees, Expertin für Kindheit und digitale Kultur an der Universität Essex, warnt besonders vor der Normalisierung von Selbstdarstellung und der Monetarisierung des Alltags: „Spielzeuge wie dieses vermitteln die Vorstellung, dass Kinder nicht nur Spielteilnehmer, sondern auch potenzielle Objekte der Aufmerksamkeit sein sollten. Dies basiert auf Mechanismen, die für die gesunde Entwicklung von Kleinkindern problematisch sein können.“
Hersteller verteidigen ihr Sortiment
Ein Sprecher des Herstellers Argos verteidigt das Angebot gegenüber dem „Guardian“: Das Unternehmen biete eine breite Auswahl an Spielzeug an, die fantasievolles und kreatives Spielen fördere. Das Influencer-Set sei lediglich ein Teil dieses umfassenden Sortiments und solle Kindern verschiedene Berufswelten näherbringen.
Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage bestehen: In welcher Gesellschaft leben wir, wenn bereits Kleinkinder mit Spielzeug ausgestattet werden, das sie auf eine Karriere als Influencer vorbereitet, während traditionelle Berufswünsche wie Mechaniker, Lokführer oder Ärzte in den Hintergrund treten?
Die Diskussion zeigt, wie tief digitale Kultur bereits in die frühe Kindheit vorgedrungen ist und welche ethischen Fragen sich daraus für Eltern, Pädagogen und Spielzeughersteller ergeben.



