Demonstration gegen sexualisierte Gewalt in München: Nur 250 Teilnehmer statt erwarteter 15.000
Münchner Demo gegen sexualisierte Gewalt mit wenigen Teilnehmern

Demonstration gegen sexualisierte Gewalt in München bleibt deutlich hinter Erwartungen zurück

Die für Samstag angekündigte Demonstration gegen sexualisierte Gewalt am Münchner Königsplatz blieb weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Während die Organisatoren ursprünglich mit bis zu 15.000 Teilnehmern gerechnet hatten, zählte die Polizei nach eigenen Angaben lediglich etwa 250 Menschen, die dem Aufruf der Grünen Jugend München folgten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Gegen patriarchale Gewalt – für ein Ende der Unterdrückung" und sollte zeitgleich mit einer ähnlichen Demonstration in Berlin stattfinden.

Kritik an unveränderten Machtverhältnissen und mangelndem Schutz

Die feministische Gruppe Handmaids Riot und andere Rednerinnen nutzten die Plattform, um grundlegende Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Strukturen zu üben. "Ob häusliche Gewalt, sexualisierte Übergriffe, strukturelle Benachteiligung oder gesellschaftliche Machtverhältnisse: Patriarchale Strukturen durchziehen weiterhin alle Lebensbereiche und betreffen Menschen tagtäglich", erklärten die Veranstalter in ihrer Ankündigung. Trotz wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit und einzelner politischer Maßnahmen blieben tiefgreifende Veränderungen aus, so die einhellige Kritik.

In einem symbolischen Akt beerdigten Aktivistinnen das Patriarchat an einem eigens aufgestellten Pappgrabstein, an dem Blumen niedergelegt wurden. Ein großes Banner mit der Aufschrift "Es reicht" auf Bodenhöhe unterstrich die Kernbotschaft der Demonstration.

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Fall Collien Fernandes als exemplarisches Beispiel

Erneut thematisiert wurde der Fall der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes, die ihrem Ex-Partner, dem Schauspieler Christian Ulmen, vorwirft, über Fake-Profile in ihrem Namen pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Rednerin Karolina Saller betonte: "Das, was Collien Fernandes passiert ist, ist kein Einzelfall." Sie kritisierte zugleich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der nicht verstehe, "dass Gewalt gegen Frauen nicht auf migrantisierte Männer geschoben werden kann".

Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die "initiale Berichterstattung" des "Spiegels" gerichtliche Schritte einzuleiten. Der Fall hat die Debatte über digitale Gewalt in Deutschland neu entfacht.

Forderungen nach besserem Schutz und Konsequenzen

Grüne Jugend-Sprecherin Aylin Zara Krüger erklärte laut Mitteilung: "Solange Betroffene nicht ausreichend geschützt werden und Täter oft ohne Konsequenzen bleiben, ist es unsere Verantwortung, laut zu sein und Widerstand zu organisieren." Die Veranstalterinnen bemängelten auf Facebook die alltägliche Angst vor potenziell gewalttätigen fremden Männern und forderten ein Ende der männlichen Vorherrschaft, die solche Ängste und Gewalt erst ermögliche.

Konkrete Alltagssituationen wurden angesprochen: "Wir wechseln die Straßenseite, wenn uns ein fremder Mann begegnet" oder "Wir überlegen zwei Mal, ob wir in das Taxi steigen oder nicht". Diese Beispiele sollten verdeutlichen, wie tief verwurzelt Schutzmechanismen im Alltag von Frauen sind.

Teilnehmerzahl deutlich unter Erwartungen

Die Diskrepanz zwischen erwarteten und tatsächlichen Teilnehmerzahlen war erheblich. Laut einer Polizeisprecherin hatte der Veranstalter am Samstag die ursprünglich genannte Zahl von 15.000 auf etwa 5.000 korrigiert – vermutlich spielte dabei auch die schlechte Wettervorhersage eine Rolle. In den Stunden vor dem Protest wurde diese Zahl weiter auf 500 herabgesetzt, am Ende zählten die Beamten jedoch nur etwa 250 Teilnehmer.

Eine Organisatorin begrüßte dennoch die Anwesenden als "stabile feministische Kerngruppe" in München. Trotz der überschaubaren Teilnehmerzahl blieb die Botschaft deutlich: Die Forderungen nach besserem Schutz für Betroffene sexualisierter Gewalt und nach grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen bleiben aktuell und dringlich.

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