Stadtteilmütter in Halle: Brückenbauerinnen für neu angekommene Geflüchtete
In Halle an der Saale hat sich ein besonderes Integrationsprojekt etabliert, das gleichzeitig zwei Zielgruppen unterstützt: Migrantinnen aus verschiedenen Ländern agieren als sogenannte Stadtteilmütter und helfen neu angekommenen Geflüchteten, sich in Deutschland zurechtzufinden. Diese Frauen, die selbst Migrationserfahrung mitbringen, stehen den Neuankömmlingen als vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen zur Seite und erleichtern ihnen den Start in einem fremden Land.
Vielsprachige Unterstützung im deutschen Alltag
Die Stadtteilmütter verfügen gemeinsam über Kenntnisse in mehr als zehn verschiedenen Sprachen. Bei ihren Treffen bemühen sie sich jedoch, Deutsch zu sprechen, um ihre eigenen Sprachfähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, als Lotsinnen zu fungieren und Orientierung im komplexen deutschen Alltag zu bieten. Konkret bedeutet dies:
- Begleitung von Familien bei Behördengängen und Arztbesuchen
- Erklärung von Verwaltungswegen und bürokratischen Abläufen
- Unterstützung bei der Suche nach Bildungs- und Betreuungsangeboten
- Vermittlung von kulturellen Besonderheiten und Gepflogenheiten
Doppelter Nutzen: Hilfe für andere und eigene Weiterentwicklung
Das Projekt, das vom Jobcenter und der Awo-Stiftung SPI initiiert wurde, verfolgt einen zweifachen Ansatz. Einerseits sollen die Stadtteilmütter Neuankömmlingen helfen, schneller in Halle Fuß zu fassen und an die richtigen Anlaufstellen vermittelt werden. Andererseits profitieren die engagierten Frauen selbst erheblich von ihrer Tätigkeit:
- Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse durch regelmäßige Praxis
- Erwerb von wertvollen sozialen und organisatorischen Kompetenzen
- Berufliche Orientierung und mögliche Perspektiven im sozialen Bereich
- Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und der Integration
Durch diese gegenseitige Unterstützung entsteht ein Kreislauf der Integration, von dem alle Beteiligten profitieren. Die Stadtteilmütter gewinnen nicht nur an Erfahrung und Sprachfertigkeit, sondern bauen auch ein wichtiges Netzwerk in ihrer neuen Heimat auf.
Ein Projekt mit Signalwirkung für die Integrationsarbeit
Die Stadtteilmütter-Initiative in Halle zeigt, wie Integration auf praktische und nachhaltige Weise gelingen kann. Indem Migrantinnen mit eigener Einwanderungserfahrung anderen Zugewanderten helfen, werden Barrieren abgebaut und Vertrauen aufgebaut. Das Projekt richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an Frauen – auch wenn der Name dies nahelegen könnte – sondern steht allen Neuankömmlingen offen, die Unterstützung benötigen.
Diese Form der Peer-to-Peer-Beratung hat sich in Halle bereits bewährt und könnte als Vorbild für ähnliche Initiativen in anderen Städten dienen. Die Kombination aus praktischer Hilfe für Geflüchtete und Qualifizierung für bereits länger ansässige Migrantinnen stellt einen innovativen Ansatz in der Integrationsarbeit dar, der Ressourcen optimal nutzt und Gemeinschaft stärkt.



