Mobbing wegen Transidentität: Sarina (13) aus Vellahn kämpft mutig gegen Vorurteile
Vellahn • Lesedauer: 4 Minuten
Norma Dogan (links) unterstützt ihre Tochter Sarina, die in ihrer Schule immer wieder Anfeindungen erlebt. (Foto: Silke Roß)
Geboren als Junge, fühlt sich Sarina seit ihrer Kindheit als Mädchen – im Alltag oft ein Spießrutenlauf. Ihre Mutter sucht Unterstützung, doch die Schule zeigt sich wenig kooperativ.
Von Silke Roß
Veröffentlicht: 06.04.2026 • 17:08 Uhr
Eine Kindheit im falschen Körper
Die heute 13-jährige Sarina war schon als Kind „etwas anders“, erzählt ihre Mutter Norma Dogan. „Sarina ist als Junge geboren, aber sie hat bereits mit vier Jahren darauf bestanden, eigentlich ein Mädchen zu sein“, erinnert sie sich. „Ich war damit einverstanden, dass sie Kleider tragen und sich schminken wollte“, berichtet Norma Dogan. Sie dachte zunächst, dass diese Phase sich irgendwann auswächst.
Doch Sarina wurde immer unglücklicher und zog sich in sich selbst zurück. Mit etwa zehn oder elf Jahren vertraute sie sich ihrer Mutter an, weil sie sich in ihrem männlichen Körper nicht zu Hause fühlte. „Wir gingen zu Ärzten und Psychologen und ich begann, mich über Transidentität zu informieren“, schildert die Mutter.
Medizinische Erkenntnisse und gesellschaftliche Herausforderungen
Rund zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind davon überzeugt, im falschen Körper geboren zu sein, wie etwa das Deutsche Ärzteblatt schon 2020 berichtete. Diese Kinder leiden besonders unter dem Gefühl, nicht richtig zu sein, weil ihr Körper sich falsch anfühlt.
In der Medizin setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass Transidentität eine angeborene Variante der geschlechtlichen Identität ist, bei der die Geschlechtsidentität mit dem zugewiesenen Geschlecht nicht übereinstimmt. Viele Betroffene lehnen ihren Körper ab und beginnen ihn, insbesondere in der Pubertät, zu hassen, weil er sich in die gefühlt falsche Richtung entwickelt.
„Nachdem ich mich informiert und die Situation akzeptiert habe, kann ich Sarina besser verstehen und begleiten“, erläutert Norma Dogan.
Schule zeigt wenig Kooperationsbereitschaft
In Sarinas Schule ist die Situation jedoch schwierig. Sie ist vielen verbalen und in Einzelfällen auch körperlichen Angriffen ausgesetzt. „Ich habe der Schule angeboten, eine Informationsveranstaltung zu organisieren oder den Lehrkräften Material zusammenzustellen, aber das wurde alles abgelehnt“, so die Mutter.
Trotz dieser Widerstände hat Sarina sich in Absprache mit Ärzten und Psychologen dazu entschieden, offiziell ihr Geschlecht und den Namen ändern zu lassen. „Das haben wir Anfang dieses Jahres gemacht, aber in der Schule ist die Situation seitdem noch viel schlimmer geworden, weshalb wir die Übergriffe angezeigt und uns an die Öffentlichkeit gewandt haben“, erzählt Norma Dogan.
Eskalationen im Schulalltag
Besonders die Tatsache, dass Sarina Umkleide- und Sanitärräume für Mädchen benutzt, führt immer wieder zur Eskalation mit einigen Mitschülerinnen. Inzwischen haben sich auch andere Eltern bei unserer Redaktion gemeldet und ebenfalls von Übergriffen und Mobbingvorfällen berichtet, sobald Kinder und Jugendliche irgendwie besonders sind.
Bildungsministerium plant Fortbildungsangebote
Wir haben beim Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt, ob und wie Schulen auf den Umgang mit Transidentität vorbereitet werden. „Das Institut für Qualitätsentwicklung Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in enger Abstimmung mit dem Landesverband LSVD Queer MV zur Umsetzung des Landesaktionsplanes (LAP) ‚In Vielfalt vereint‘“, heißt es aus dem Ministerium.
Ziel sei es, einen Leitfaden LSBTQ und strukturierte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zu entwickeln. Zudem erarbeite das Schulamt ein schulinternes Fortbildungsangebot zu dieser Thematik. Für Kinder und Jugendliche wie Sarina bringt das zunächst wenig Erleichterung, denn die Schulen sind nicht auf den Umgang mit transidentitären Kindern und Jugendlichen vorbereitet.
Unterstützung und anhaltende Ängste
Allerdings haben sich einige Lehrer und Mitschüler mittlerweile über Sarinas Situation informiert und unterstützen sie gegen die Anfeindungen. Trotzdem hat die 13-Jährige große Angst, in die Schule zu gehen. „Ich kann ja nichts dafür, dass ich so bin“, sagt sie mit bewegter Stimme.
Die Familie hofft auf mehr Verständnis und konkrete Maßnahmen, um Sarinas Schulalltag erträglicher zu gestalten. Die geplanten Fortbildungen des Bildungsministeriums könnten ein erster Schritt sein, doch für Sarina und ihre Mutter zählt vor allem das Hier und Jetzt.



