17.000 Euro Betrug: Falscher Anwalt trickst Berliner Kinder-Reitschule aus
17.000 Euro Betrug: Falscher Anwalt trickst Kinder-Reitschule aus

17.000 Euro Betrug: Falscher Anwalt trickst Berliner Kinder-Reitschule aus

Mit einer perfekt konstruierten Falschanzeige haben Cyber-Kriminelle den Kinder- und Jugend-Reitverein Zehlendorf in Berlin um 17.000 Euro betrogen. Das mühsam angesparte Geld ist unwiederbringlich verloren, die Täter konnten bisher nicht gefasst werden.

Jahrelanges Sparen für nichts

Die beträchtliche Summe hatte der Verein im Januar für einen gebrauchten Radlader aus einer vermeintlichen Insolvenzmasse bezahlt. Das Geld dafür war über Jahre hinweg durch Extrakurse und Spenden mühsam zusammengespart worden. Statt des dringend benötigten Fahrzeugs erhielt der Verein lediglich gestohlene Fotos, die nichts mit dem tatsächlichen Angebot zu tun hatten.

Glinda Spreen (67), Vorsitzende der Kinder-Reitschule, erklärt die Notwendigkeit: "Wir brauchen den neuen Traktor dringend. Mit dem alten Gerät ist die Arbeit kaum noch zu bewältigen." Der Verein betreut bis zu 80 Pferdemädchen und -jungen und muss täglich 80 Schulpferde versorgen, Futter auffahren und Mist wegtransportieren.

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Perfide Masche mit gestohlener Identität

Besonders perfide: Die Täter scheuten sich nicht, die Daten eines real existierenden Rechtsanwalts für ihren Betrug zu missbrauchen. Der Vereinsvorstand hatte den Anwalt vorsichtshalber gegoogelt und war überzeugt, mit ihm zu verhandeln. In Wirklichkeit war der Anwalt ahnungslos - seine Identität war geklaut worden.

Kassenwartin Irit Kulzk betont: "Was man als normaler Mensch überprüfen kann, haben wir geprüft. Wir waren wirklich nicht leichtfertig." Der Verein hatte sogar den Vereinsregisterauszug für die Abwicklung des Geschäfts zur Verfügung gestellt, da alles äußerst seriös wirkte.

Abwicklung eines Scheingeschäfts

Die Betrugsmaschine lief wie folgt ab:

  1. Anfang Januar erhielt der Vorstand einen Link zu einem vermeintlichen Insolvenzangebot
  2. Am 12. Januar bekundete der Verein Kaufinteresse und erhielt 60 Fotos
  3. Am 14. Januar kam die Information über angebliche Gerichtszustimmung
  4. Am 20. Januar traf die detaillierte Rechnung ein
  5. Am 22. Januar überwies der Verein die 17.000 Euro

Danach geschah nichts mehr. Die Telefonleitung des angeblichen Anwalts war tot, die Website verschwunden. Allen Beteiligten wurde klar, dass sie Opfer eines trickreichen Betrugs geworden waren.

Folgen für den Verein

Der Verein hat inzwischen Strafanzeige bei der Berliner Staatsanwaltschaft erstattet. Vereinsanwältin Christa Schaal gibt jedoch wenig Hoffnung: "Die Chancen für eine Wiederbeschaffung des Geldes stehen gegen null." Immerhin musste die Reitschule keinen Kredit aufnehmen.

Irit Kulzk vermutet: "Ich bin mir sicher, dass wir nicht die einzigen sind. Es wird mehrere Geschädigte geben." Der Verein verspricht seinen Mitgliedern dennoch, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ein neuer Radlader bleibt jedoch vorerst ein unerfüllter Traum.

Der Kinder- und Jugend-Reitverein Zehlendorf ist kein reicher Betrieb. Sieben bezahlte Mitarbeiter kümmern sich um die Tiere, der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. "Wir sind kein reicher Laden, sondern ein eher rustikaler Verein", beschreibt Kulzk die Situation. Die Mittel für größere Anschaffungen müssen zusätzlich verdient werden.

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