Leipzig trauert: Amokfahrer kommt vorerst in Psychiatrie
Amokfahrer von Leipzig in Psychiatrie eingewiesen

Leipzig trauert um die Opfer einer schrecklichen Amokfahrt. Ein 33-jähriger Mann steuerte am Montag seinen Wagen in eine belebte Fußgängerzone und tötete dabei zwei Menschen. Sechs weitere wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Der Täter wurde noch am Tatort festgenommen und soll nun vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, wie ein Ermittlungsrichter anordnete.

Staatsanwaltschaft: Verminderte Schuldfähigkeit

Die Staatsanwaltschaft Leipzig wirft dem Deutschen zweifachen Mord sowie versuchten Mord in vier Fällen vor. Nach bisherigen Ermittlungen bestehe dringender Verdacht, dass der Mann die Tat „im Zustand der zumindest erheblich verminderten Schuldfähigkeit“ begangen habe. Das Amtsgericht sah auf Antrag der Staatsanwaltschaft die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus als notwendig an, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Es sei wahrscheinlich, dass der Beschuldigte aufgrund seines Zustands weitere erhebliche rechtswidrige Taten vergleichbarer Schwere begehen werde.

Hergang der Tat

Laut Polizei fuhr der Täter am Montag gegen 16.45 Uhr in der Grimmaischen Straße, einer zentralen Einkaufsstraße Leipzigs, in die Fußgängerzone. Dort erfasste er mehrere Menschen mit seinem Fahrzeug. Anschließend brachte er das Auto selbst zum Stehen und ließ sich widerstandslos festnehmen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, der Mann habe möglichst viele Menschen töten und schwer verletzen wollen.

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Bei den Todesopfern handelt es sich um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann. Die Verletzten sind zwischen 21 und 87 Jahren alt; ein 75-jähriger Mann und eine 84-jährige Frau schweben nicht mehr in Lebensgefahr, wie Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) mitteilte. Mehr als 80 Menschen mussten nach der Tat psychologisch betreut werden.

Kein politisches oder religiöses Motiv

Die Polizei geht nach derzeitigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Hintergrund aus. Die Tat wird als Amokfahrt eingestuft. Die Ermittlungen zu den genauen Motiven dauern an.

Vorgeschichte des Täters

Der 33-Jährige stammt aus Leipzig und war wenige Tage vor der Tat freiwillig in stationärer psychiatrischer Behandlung. Das Sozialministerium in Dresden bestätigte, dass er sich auf eigenen Wunsch in einer Klinik aufgehalten hatte und Ende April entlassen wurde. Zudem ist er polizeilich bekannt, unter anderem wegen Bedrohung und ehrverletzender Delikte im sozialen Umfeld – jedoch ohne körperliche Gewalt.

Trauer und Anteilnahme in Leipzig

Die Trauer in Leipzig ist groß. Vor dem Paulinum der Universität, das sich zu einem zentralen Gedenkort entwickelt hat, legten Menschen Blumen und Kerzen nieder. Die sächsische Staatsregierung ordnete Trauerbeflaggung an allen Behörden an. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus: „Unser Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Opfer. In Gedanken sind wir bei ihnen und allen, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind.“

In der Nikolaikirche fand eine ökumenische Andacht statt, an der mehrere Hundert Menschen teilnahmen. Oberbürgermeister Jung sagte: „Leipzig trauert, aber Leipzig steht zusammen. Wir suchen Worte. Wir suchen Erklärungen. Ich glaube, die richtigen Worte gibt es nicht.“ Auch die Thomaskirche öffnete für Trauernde. Im Neuen Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus.

Debatte über Sicherheit in Innenstädten

Die Stadt Leipzig kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen in der Innenstadt zu überprüfen. Der Täter konnte offenbar über den Augustusplatz in die Fußgängerzone einfahren, ohne auf Poller zu treffen. Jung warnte jedoch vor übereilten Schlüssen: „Wir dürfen auch nicht unsere Innenstädte als Festungen ausbauen.“ Es brauche eine Balance zwischen Sicherheit und Freiheit. Absolute Sicherheit gebe es nicht.

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Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund betonte, dass solche Taten nie vollständig zu verhindern seien. Ministerpräsident Kretschmer ergänzte: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz. Es hätte jede andere Stelle sein können. Das ist eine bittere Erkenntnis.“ Der Sächsische Landtag will sich am Freitag in einer nicht öffentlichen Sondersitzung des Innenausschusses mit der Tat befassen. Die betroffene Einkaufsstraße ist wieder für Passanten freigegeben, die meisten Geschäfte bleiben jedoch vorerst geschlossen.