Angriff auf israelisches Restaurant in München: Polizei geht von antisemitischem Motiv aus
In der Nacht zum Donnerstag haben Unbekannte das israelische Restaurant Eclipse in der Münchner Maxvorstadt angegriffen. Nach Angaben der Polizei wurden die Schaufensterscheiben gewaltsam beschädigt und pyrotechnische Gegenstände in das Lokal geworfen. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere Tausend Euro. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, die Täter konnten zunächst nicht gefasst werden.
Staatsschutz ermittelt und verstärkt Sicherheitsmaßnahmen
Die Polizei hat den Staatsschutz eingeschaltet und geht von einem antisemitischen Tatmotiv aus. Bereits in der Nacht nach dem Angriff wurden die Sicherheitskonzepte für jüdische Einrichtungen in München überprüft und angepasst. Aus einsatztaktischen Gründen werden die betroffenen Objekte nicht öffentlich genannt, doch die Maßnahmen umfassen verstärkte Präsenz und individuelle Schutzvorkehrungen.
Polizeisprecher Tobias Schenk erklärte, die Einsatzzentrale habe gegen 00:45 Uhr einen Anruf erhalten, der von drei lauten Knallgeräuschen an dem Restaurant berichtete. Eine Streife stellte vor Ort fest, dass Fensterscheiben an drei Stellen beschädigt waren. „Das Besondere bei diesem Einsatz ist die politische Brisanz, die dahintersteckt“, so Schenk.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU), verurteilte den Angriff als „feigen Übergriff“ auf einen „wunderbaren Ort der Begegnung“. Auch Münchens Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) zeigte sich bestürzt und betonte, dass der Kampf gegen Antisemitismus ein Schwerpunkt seiner Amtszeit sein werde. „Unser Ziel muss es sein, dass jüdisches Leben in dieser Stadt sicher und sichtbar ist“, so Krause.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, äußerte sich auf der Plattform X deutlich: „Es ist mehr als eine Attacke auf ein israelisches Restaurant—es ist ein Angriff auf eine Institution Münchner Geselligkeit und einen wichtigen Raum für die jüdische Gemeinschaft“. Sie betonte, dass Judenhass präsent sei und die Stadtgesellschaft nicht schweigen dürfe.
Solidaritätsbekundungen und geplante Kundgebung
Die israelische Botschafterin Talya Lador rief dazu auf, das Restaurant zu besuchen und dort gutes Essen zu genießen, statt zu Hause zu bleiben. „Die beste und vernünftigste Antwort auf diesen Anschlag ist, das Eclipse-Restaurant zu besuchen“, schrieb sie auf X.
Das Bündnis „Jewish Life Munich“ ruft für Donnerstagabend um 17 Uhr zu einer Solidaritätskundgebung vor dem Restaurant in der Hessstraße auf. „Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht hier. Nicht heute. Nicht jemals“, so die Initiatoren auf Instagram. Auch das Jüdische Museum München zeigte sich solidarisch und betonte, dass ein Restaurant ein Ort der Begegnung und des Miteinanders sei.
Vergangene Vorfälle und aktuelle Entwicklungen
Es ist nicht das erste Mal, dass das Restaurant Eclipse Ziel von Angriffen wurde. Bereits in der Silvesternacht 2018/2019 wurde dort ein rassistischer Brief aufgefunden. Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 klebte jemand einen Aufkleber mit dem propalästinensischen Slogan „Free Palestine“ an eine Scheibe.
Der Mitarbeiter des Restaurants, Grigori Dratva, erklärte, es habe vor dem jüngsten Angriff keine direkten Drohungen gegeben. „Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt“, sagte er. Die Scheiben seien provisorisch verklebt und sollen später repariert werden. Das Restaurant bleibt geöffnet: „Wir lassen uns nicht einschüchtern“.
Kurz vor Ostern gab es zudem eine massive Drohung gegen jüdische Menschen in Haidhausen, wo antisemitische Parolen an ein Modegeschäft gesprüht wurden. Auch hier ermittelt der Staatsschutz.
Der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei sucht weiterhin nach den Tätern und bittet um Zeugenhinweise.



