Angriff auf Touristen in Teotihuacan: Täter plante nach US-Vorbild
Ein bewaffneter Angriff auf Touristen an den berühmten Pyramiden von Teotihuacan in Mexiko hat eine Kanadierin das Leben gekostet und 13 weitere Menschen verletzt. Die mexikanischen Ermittler gehen davon aus, dass der 27-jährige Täter mutmaßlich nach dem Vorbild des Columbine-Massakers in den USA handelte. Die Gewalttat ereignete sich am 27. Jahrestag des Schulmassakers vom 20. April 1999 an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado.
Ermittlungen enthüllen psychopathisches Profil
Bei einer Pressekonferenz von Präsidentin Claudia Sheinbaum präsentierten Sicherheitsbehörden erste Erkenntnisse aus den Ermittlungen. Generalstaatsanwalt José Luis Cervantes erklärte, der Täter habe in einem Rucksack Schriften und Bilder bei sich getragen, die vermutlich "mit einer Gewalttat vom April 1999 in den USA in Bezug stehen". Obwohl Cervantes Columbine nicht ausdrücklich erwähnte, deuten Medienberichte darauf hin, dass genau dieses Massaker das Vorbild gewesen sein soll.
Cervantes beschrieb ein "psychopathisches Profil des Täters, das durch die Neigung gekennzeichnet ist, Ereignisse aus anderen Ländern nachzuahmen". Er betonte: "Diese Handlung war nicht spontan." Der Täter habe die Ausgrabungsstätte mehrfach vor dem Vorfall besucht und eine Waffe, ein Messer sowie eine Tüte mit 52 Patronen mit sich geführt.
Ablauf des Angriffs und Sicherheitsmaßnahmen
Laut offiziellen Angaben schoss der Angreifer von der Mondpyramide aus insgesamt 14 Mal. Der erste Notruf ging am Montagmorgen um 11.20 Uhr Ortszeit ein, wie der örtliche Sicherheitschef Cristóbal Castañeda mitteilte. Zehn Minuten später traf die Nationalgarde in der Ruinenstadt ein. Die Beamten verletzten den Täter durch Schüsse am Bein, woraufhin sich der Mann das Leben nahm.
Unter den Verletzten befinden sich Touristen aus Kolumbien, Kanada, Russland, Brasilien und den USA. Sieben Personen erlitten Schussverletzungen, darunter ein sechsjähriges Kind aus Kolumbien und eine 13-jährige Brasilianerin. Andere wurden bei Stürzen verletzt. Nach dem Vorfall wurde die Ruinenstadt bis auf weiteres geschlossen.
Präsidentin Sheinbaum erklärte: "So etwas haben wir in Mexiko noch nie erlebt. Es ist das erste Mal, dass so etwas passiert." Sie räumte ein, dass es an archäologischen Stätten keine Metalldetektorschleusen gibt, und kündigte an, die Sicherheitsprotokolle zu überprüfen und zu verstärken.
Auswirkungen auf die bevorstehende WM
Die Tat wirft Fragen zur Sicherheitslage in Mexiko auf, insbesondere vor der gemeinsam mit den USA und Kanada ausgetragenen Weltmeisterschaft, die am 11. Juni im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt eröffnet wird. Sicherheitsminister Omar García Harfuch gab erneut Sicherheitsgarantien ab: "Die Sicherheit der Weltmeisterschaft ist gewährleistet."
Bereits zuvor hatte es Bedenken zur Sicherheitslage gegeben, nachdem Ende Februar der mächtige Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes bei einem Militäreinsatz getötet worden war und schwere Gewaltausbrüche seiner Anhänger folgten, bei denen mehr als 70 Menschen ums Leben kamen.
Einzigartigkeit des Vorfalls in Mexiko
Obwohl Mexiko mit seinen rund 130 Millionen Einwohnern durch die Gewalt der Drogenkartelle geprägt ist, sind Touristen normalerweise nicht als zufällige Opfer ums Leben gekommen. Es gab zuvor keinen ähnlichen direkten Angriff auf Touristen wie den in Teotihuacan.
Teotihuacan ist nach Chichén Itzá auf der Halbinsel Yucatán die meistbesuchte Ausgrabungsstätte in Mexiko. Weil die Anlage nur etwa 50 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt liegt, stellt sie einen fast unverzichtbaren Tagesausflug für Touristen dar, die die mexikanische Hauptstadt besuchen. Jährlich strömen rund 1,6 Millionen Menschen in die Ruinenstadt, was die Tragweite des Vorfalls unterstreicht.



