Prozess gegen mutmaßliche Linksextremisten: Kronzeuge legt detaillierte Aussage vor
Im Oberlandesgericht Dresden hat ein ehemaliges Mitglied der sogenannten Antifa-Ost-Gruppe als Kronzeuge ausgesagt. Der 33-Jährige, der bereits im vorangegangenen Verfahren gegen die Gruppe um Lina E. als Zeuge aufgetreten war, schilderte vor Gericht Einzelheiten zu einem Angriff auf einen rechten Szene-Wirt in Eisenach sowie zu paramilitärischen Trainings der Gruppierung.
Detailreiche Schilderung eines Angriffs aus dem Jahr 2019
Der Zeuge, der selbst 2023 wegen Beteiligung an dem Angriff in Eisenach zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde, beschrieb den Tattag im Dezember 2019 minutiös. Er sei damals aus Berlin nach Eisenach gereist, wobei unterwegs Johann G., einer der sieben aktuell Angeklagten, zu ihm ins Auto gestiegen sei. „Die Stimmung sei entspannt und ausgelassen gewesen“, gab der 33-Jährige an. Nachdem er G. bei der Gruppe abgesetzt habe, die später den Angriff durchführte, habe er das Opfer ausspioniert und seine Beobachtungen per Telefon an die Angreifer weitergegeben, bevor er den Ort verließ.
Paramilitärische Trainings für „maximale Effizienz“
Neben dem konkreten Angriff machte der Kronzeuge auch Angaben zu speziellen Trainings, mit denen sich die Gruppierung auf gewaltsame Auseinandersetzungen vorbereitet habe. Es sei darum gegangen, Angriffe mit „schnellstmöglicher“ Durchführung und „maximaler Effizienz“ gegen Neonazis zu trainieren. Laut seiner Aussage zielten die Übungen darauf ab, eine Überzahl herzustellen und das Opfer gezielt zu verletzen, wobei die Angriffe innerhalb von lediglich 30 Sekunden abgeschlossen sein sollten.
Fortsetzung des Verfahrens gegen sieben Beschuldigte
Der Prozess gegen sieben mutmaßliche Linksextremisten, der im November 2025 begann, soll sich über insgesamt zehn Verhandlungstage erstrecken, an denen der Kronzeuge aussagt. Sechs der Angeklagten, darunter eine Frau, werden von der Bundesanwaltschaft beschuldigt, einer kriminellen Vereinigung angehört zu haben, die über mehrere Jahre hinweg gewaltsame Angriffe gegen Personen aus der rechten Szene verübte. Ihnen werden Straftaten wie:
- gefährliche Körperverletzung
- versuchter Mord
- Sachbeschädigung
vorgeworfen. Ein siebter Angeklagter soll die Vereinigung laut Anklage unterstützt haben. Im Fokus der Ermittlungen steht insbesondere Johann G., der gemeinsam mit der bereits verurteilten Lina E. als Kopf der Gruppierung gilt. G. war lange Zeit untergetaucht und wurde Ende 2024 von der Zielfahndung des Landeskriminalamtes Sachsen festgenommen.
Das aktuelle Verfahren stellt faktisch die Fortsetzung des Prozesses gegen Lina E. und drei Mitangeklagte dar, die das Oberlandesgericht Dresden bereits im Jahr 2023 zu Haftstrafen verurteilt hatte. Die Aussagen des Kronzeugen werden als zentral für die Aufklärung der Vorwürfe und die rechtliche Einordnung der Gruppierung angesehen.



