Prozess um mutmaßlichen Auftragsmord vor sieben Jahren beginnt in Berlin
Rund sieben Jahre nach einem mutmaßlichen Auftragsmord in unmittelbarer Nähe des Berliner Alexanderplatzes hat am Landgericht der Hauptstadt ein aufsehenerregender Prozess begonnen. Die drei Angeklagten, denen heimtückischer Mord beziehungsweise Anstiftung dazu zur Last gelegt wird, verharrten zu Prozessbeginn in Schweigen. Ihre Verteidiger erklärten, dass sich ihre Mandanten zunächst nicht zu den schwerwiegenden Vorwürfen äußern würden.
Die tödliche Tat und ihre Hintergründe
Laut Anklage soll ein 58-jähriger Angeklagter am Abend des 18. März 2019 in Berlin-Mitte einen 26-Jährigen mit mehreren Messerstichen getötet haben. Einer dieser Stiche traf das Herz des Opfers, das noch am Tatort verstarb. Der junge Mann, der in Litauen geboren und in Deutschland aufgewachsen war, wurde direkt nach seiner Arbeit attackiert.
Den Auftrag zu dieser Tat soll ein 44-jähriger Geschäftsmann erteilt haben, der sich laut Anklage an seinen „Vertrauten und Mann fürs Grobe“ wandte. Dieser ebenfalls 58-Jährige soll seine Kontakte zur organisierten Kriminalität in Moldau genutzt haben, um den mutmaßlichen Killer anzuheuern. Hintergrund der tödlichen Aktion waren angebliche Geldschulden des 44-Jährigen beim Vater des Opfers in Höhe von über 80.000 Euro.
Internationale Ermittlungen und Festnahmen
Die Ermittlungen zu diesem komplexen Fall erstreckten sich über mehrere Jahre und wurden von Europol unterstützt. Im Juni 2023 ergingen schließlich Haftbefehle gegen die identifizierten Tatverdächtigen. Zwei Jahre später, im Jahr 2025, nahmen Einsatzkräfte der lettischen und rumänischen Polizei im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft die drei Angeklagten fest.
Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen in Russland geborenen Deutschen, einen 58-Jährigen mit moldauischer und rumänischer Staatsangehörigkeit sowie einen weiteren 58-Jährigen aus Moldau. Letzterer soll speziell für die Tat nach Deutschland eingereist und unmittelbar danach wieder nach Moldau zurückgereist sein. Als „erste Entlohnung“ für die mutmaßliche Tat soll er 1.000 Euro erhalten haben.
Motive und Prozessverlauf
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 44-jährige Angeklagte den Auftrag zur Tötung erteilte, um den Vater des Opfers für dessen Versuche, angebliche Schulden einzufordern, zu „bestrafen“. Gleichzeitig wollte er ihm deutlich machen, dass er seine Forderungen zu unterlassen habe. Aus Sicht des Geschäftsmannes handelte es sich bei diesen Forderungen um unberechtigte Ansprüche.
Für den Prozess sind bislang 23 weitere Verhandlungstage bis zum 4. Juni terminiert. Die Berliner Justiz erwartet eine aufwändige Beweisaufnahme, die die internationalen Verflechtungen der mutmaßlich organisierten Kriminalität beleuchten soll. Die Verteidigung hat angekündigt, dass ihre Mandanten sich in späteren Verhandlungsabschnitten möglicherweise doch noch zu den Vorwürfen äußern werden.
Dieser Fall unterstreicht einmal mehr die grenzüberschreitenden Dimensionen organisierter Kriminalität und die Herausforderungen, vor denen Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung solcher Taten stehen. Die Berliner Staatsanwaltschaft setzt mit diesem Prozess ein deutliches Zeichen gegen schwere Gewaltdelikte im Zusammenhang mit kriminellen Netzwerken.



