Berliner Staatsanwaltschaft intensiviert Kampf gegen organisierte Kriminalität
Die Bekämpfung von Schusswaffendelikten und organisierter Kriminalität steht für die neue Chefin der Berliner Staatsanwaltschaft, Ingrid Jaeger, ganz oben auf der Agenda. In einem exklusiven Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betonte die leitende Oberstaatsanwältin: „Eine Staatsanwaltschaft, die für ein friedliches und ordnungsbasiertes Zusammenleben steht, muss gewährleisten, dass Bürgerinnen und Bürger ohne Angst vor Kugeln auf die Straße gehen können.“ Ihre Behörde verfügt über sechs Spezialabteilungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Bereich der organisierten Kriminalität – eine strukturelle Stärke, die schnelle Reaktionen ermöglicht.
Sondereinheiten „Ferrum“ und „Telum“ im Einsatz
Als Reaktion auf die jüngste Häufung von Schusswechseln in der Hauptstadt haben Polizei und Staatsanwaltschaft spezielle Ermittlungseinheiten gebildet. Die Polizei richtete die Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für Eisen) beim Landeskriminalamt ein, während die Staatsanwaltschaft mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für Waffe) nachzog. Diese Einheiten konzentrieren sich auf Fälle, bei denen im kriminellen Milieu geschossen wurde – oft im Zusammenhang mit Erpressungen von Geschäftsleuten, Revierkämpfen und internen Auseinandersetzungen organisierter Banden.
Durch gezielte Razzien in Bars und bekannten Treffpunkten soll die organisierte Kriminalität systematisch unter Druck gesetzt werden. „Wir müssen wirksam werden, wenn die organisierte Kriminalität unsere demokratische Ordnung angreift“, erklärte Jaeger entschieden. „Das Gefährliche daran ist nicht nur der Angriff auf Leib, Leben oder Vermögen. Unausgesprochen steht darüber: Wir bestimmen, was hier gilt. Dagegen müssen wir mit aller Kraft arbeiten.“
Vermögensabschöpfung bringt 21,8 Millionen Euro
Ein besonderer Erfolg der Berliner Justizbehörden ist die sogenannte Vermögensabschöpfung, bei der illegal erworbene Vermögenswerte eingezogen werden. Im Jahr 2025 erzielte das Land Berlin aus dieser Maßnahme endgültige Einnahmen in Höhe von 21,8 Millionen Euro. „In den vergangenen Jahren haben wir hier wahnsinnige Fortschritte gemacht“, so Jaeger. Gleichzeitig räumte die 61-jährige Juristin ein, dass Staatsanwälte im Kampf gegen organisierte Kriminalität eine „hohe Frustrationstoleranz“ benötigen, besonders bei langwierigen Vermögensabschöpfungsverfahren.
Als aktuelles Beispiel nannte Jaeger einen Fall, bei dem Autos von Justizvollzugsbediensteten in Brand gesetzt wurden. Im März verurteilte das Landgericht Berlin zwei Mitglieder einer bekannten arabischen Großfamilie und einen weiteren Angeklagten zu Haftstrafen. „Täter müssen wissen, dass wir keine Möglichkeit zulassen, Menschen durch Gewalt oder Drohungen von ihrer Arbeit abzuhalten“, betonte die Staatsanwältin. Dieses Urteil sei ein wichtiges Signal für die Rechtsstaatlichkeit.
Strukturelle Stärken und Herausforderungen
Die Berliner Staatsanwaltschaft verfügt über sechs hochspezialisierte Abteilungen für organisierte Kriminalität, die verschiedene Deliktsbereiche abdecken – von Kfz-Bandendiebstahl über organisierte Drogenkriminalität bis hin zu anderen Schwerpunkten. „Diese Größe ist von Vorteil“, erklärte Jaeger. „Dadurch können wir ad hoc sagen, hier bilden wir einen Arbeitsschwerpunkt. Sobald die Polizei Kräfte zusammenzieht und etwas für wichtig erachtet, setzen wir entsprechende Ressourcen frei.“
Allerdings betonte die gebürtige Nordrhein-Westfälin auch, dass Staatsanwaltschaften grundsätzlich selten präventiv tätig werden können. „Wir kommen immer nach der Tat“, so Jaeger. Dennoch verfüge ihre Behörde über exzellent ausgebildete Juristinnen und Juristen, die entschlossen gegen kriminelle Strukturen vorgehen. „Man muss sich seine Erfolge vor Augen halten, um aufzustehen und weiterzumachen“, resümierte die Oberstaatsanwältin mit Blick auf die anhaltenden Herausforderungen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität in der Hauptstadt.



