Sprachbarrieren in Kliniken: Dolmetsch-Hotlines als Rettungsanker im medizinischen Alltag
Sprachbarrieren in Kliniken: Dolmetsch-Hotlines als Lösung

Wenn Worte fehlen: Sprachhürden gefährden die medizinische Versorgung

In deutschen Krankenhäusern werden Sprachbarrieren zunehmend zur täglichen Herausforderung. Immer mehr Patientinnen und Patienten verfügen über nur geringe Deutschkenntnisse, was die Kommunikation im medizinischen Alltag erheblich erschwert. Besonders in Sachsen-Anhalt suchen Kliniken nach praktikablen Lösungen, um diese Lücke zu schließen.

Telefonische Dolmetscher als schnelle Brücke

Im Carl-von-Basedow-Klinikum Saalekreis haben Ärztinnen und Ärzte einen pragmatischen Weg gefunden: Innerhalb von durchschnittlich 30 Sekunden steht über den gemeinnützigen Dienst Triaphon eine professionelle Dolmetscherin oder ein Dolmetscher am Telefon bereit. „Die Dauer, bis man jemanden am Telefon hat, beträgt durchschnittlich 30 Sekunden“, erklärt Marthe Hammer, Geschäftsführerin von Triaphon. Schätzungsweise fünf Prozent aller Patienten sind auf solche Sprachmittlungsdienste angewiesen.

Notfallsituationen offenbaren kritische Lücken

Besonders prekär wird die Situation in akuten Notfällen. In der psychiatrischen Klinik in Querfurt müssen Ärztinnen und Ärzte häufig innerhalb kürzester Zeit lebenswichtige Entscheidungen treffen. „Der Extremfall ist, dass ich nicht in der Lage wäre, mit jemandem sehr, sehr schnell zu klären, ob er sich oder andere gefährden kann“, schildert Chefärztin Bettina Wilms die dramatischen Konsequenzen von Sprachbarrieren.

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Improvisation dominiert den Klinikalltag

Viele Krankenhäuser greifen auf improvisierte Lösungen zurück: Mehrsprachiges Personal wird von anderen Stationen geholt, Angehörige werden als Dolmetscher eingesetzt oder Reinigungskräfte mit entsprechenden Sprachkenntnissen springen ein. Doch diese Methoden sind problematisch – besonders bei sensiblen Themen wie häuslicher Gewalt oder psychischen Erkrankungen.

Technische Lösungen mit begrenzter Zuverlässigkeit

Digitale Alternativen wie Übersetzungs-Apps oder KI-gestützte Systeme kommen zwar zum Einsatz, stoßen aber an Grenzen. „Erste Erfahrungen mit KI-gestützten Übersetzungen haben gezeigt, dass diese in sensiblen Situationen an Grenzen stoßen“, berichtet Wilms. Nuancen gehen verloren und Nachfragen sind nicht möglich, was die Qualität der medizinischen Kommunikation beeinträchtigt.

Finanzierungslücke als strukturelles Problem

Das größte Hindernis bleibt die Kostenfrage. „Das größte Hindernis ist die Tatsache, dass man für den Dienst bezahlen muss und dass die Kosten aktuell nicht von den Krankenkassen oder vom Staat getragen werden“, stellt Hammer klar. Krankenkassen verweisen häufig auf fehlende Zuständigkeiten, sodass die Kliniken die Kosten selbst tragen müssen.

Flickenteppich statt flächendeckender Lösung

Von einer einheitlichen Versorgung ist Deutschland noch weit entfernt. Während das Klinikum Dessau auf Smartphones mit Übersetzungsfunktionen setzt und in Halle digitale Systeme wie Piktogramme am Patientenbett zum Einsatz kommen, herrscht insgesamt ein „Flickenteppich“ unterschiedlicher Ansätze. Die telefonischen Dolmetschdienste bieten zwar eine wichtige Zwischenlösung, können jedoch professionelle Vor-Ort-Dolmetscher nicht ersetzen.

Am Universitätsklinikum Magdeburg verlängern sich Gespräche mit fremdsprachigen Patienten ohne Dolmetschunterstützung um bis zu 15 Minuten – wertvolle Zeit, die im klinischen Alltag fehlt. Letztlich geht es bei allen Lösungsansätzen um mehr als nur um Worte: Es geht darum, dass Ärztinnen und Ärzte verstehen, was ihre Patientinnen und Patienten ihnen mitteilen möchten – und umgekehrt.

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