Thüringer Tierparks im Kampf gegen steigende Kosten
Die Aussichten für Thüringer Tierparks und Gehege in der kommenden Saison sind so wechselhaft wie das Aprilwetter. Steigende Preise für Energie, Personal und Futter stellen die Einrichtungen vor erhebliche Herausforderungen. Dennoch betonen viele Betreiber, dass sie die Eintrittspreise zunächst stabil halten wollen, um Besucher nicht zu verlieren.
Verschiedene Finanzierungsmodelle, ähnliche Probleme
Christoph Schmidt, Sprecher des Alternativen Bärenparks Worbis im Landkreis Eichsfeld, fasst die Situation zusammen: „Die Lage ist insgesamt schwieriger geworden.“ Sein Park wird fast vollständig von Privatpersonen getragen und erhält keine öffentlichen Mittel für den laufenden Betrieb. Schmidt befürchtet, dass die Spendenbereitschaft in Zukunft abnehmen könnte – sowohl aufgrund der wirtschaftlichen Lage als auch weil Spender aus Altersgründen wegfallen.
Ähnliche Sorgen äußern die Verantwortlichen des Wildkatzendorfs Hütscheroda im Wartburgkreis, des Affenwalds in Straußberg sowie der Tierparks in Suhl und Gera. Lediglich der Zoopark in Erfurt äußerte sich auf Nachfrage nicht zu der aktuellen Situation.
Nachzüchtungen und steigender Bedarf an Auffangstationen
Ein besonderes Problem sieht Schmidt in den stetigen Nachzüchtungen in Zoos und Tierparks, die den Bedarf nach Auffangstationen für Wildtiere erhöhen. „Perspektivisch gesehen bereitet uns das schon Bauchschmerzen“, so der Bärenpark-Sprecher. „Es wäre allen geholfen, wenn die Zoos und Tierparks in Zukunft nur halb so viel züchten und einen Teil ihrer Fläche für Tierschutz-Projekte zur Verfügung stellen würden.“
Der Alternative Bärenpark Worbis startet seine Hauptsaison am Ostersonntag. In den Wintermonaten wurden neue pädagogische Elemente für Kinder geschaffen, außerdem wird aktuell ein neues Eingangsgebäude gebaut.
Herausforderungen bei Besucherzahlen und Personal
Im Wildkatzendorf Hütscheroda läuft die Hauptsaison bereits seit dem 18. März. Geschäftsführerin Katrin Vogel rechnet neben den Kostensteigerungen mit einer geringeren Konsumbereitschaft der Gäste. Ein weiteres Problem: Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist nach wie vor unbefriedigend – ein Aspekt, der angesichts steigender Spritpreise an Bedeutung gewinnt.
Um trotzdem möglichst viele Menschen zu erreichen, bietet das Wildkatzendorf:
- Mehr barrierearme Angebote
- Viele Programme speziell für Kinder
- Wanderungen in der Dämmerung
- Ranger-Führungen
Wetterabhängigkeit und Personalmangel
Silvio Dietzel, Inhaber des Affenwalds Straußfurt im Kreis Sömmerda, hofft für die neue Saison vor allem auf gutes Wetter. Kälte und zeitweiser Schneefall dominierten den Saisonstart am 28. März. Neben gestiegenen Energie- und Personalkosten wird es immer schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden, die auch am Wochenende arbeiten wollen.
Trotzdem verzichtet der Affenwald bewusst auf Preiserhöhungen. „Damit auch Gäste mit einem knapperen Budget sich weiter einen Besuch leisten können“, erklärt Dietzel. Dieses Konzept habe auch nach der Corona-Zeit gut funktioniert. „Ich hoffe, dass wir das auch in Zukunft durchhalten können.“
Neue Konzepte und bauliche Herausforderungen
Im Tierpark Suhl begann die Hauptsaison am 1. April. Ein Highlight im Veranstaltungskalender ist das Tierparkfest am 2. August, wie Leiterin Monique Latka mitteilt. Nachdem um den Jahreswechsel Wisente, ein Luchs und eine Elchkuh aus alters- und gesundheitlichen Gründen gestorben sind, gibt es mittelfristig neue Pläne:
- Die Wisenthaltung soll zugunsten eines Bauernhofs für vom Aussterben bedrohte Tierarten aufgegeben werden
- Für die Elche sollen bessere Haltungsbedingungen geschaffen werden
- Das Luchshaus wird saniert
Neben den finanziellen Herausforderungen bereitet auch die Lage des Tierparks Probleme: Die steilen Hänge in der Umgebung erschweren eine Ausweitung der Anlagen. Aktuell wird über eine Erhöhung des Eintrittspreises nachgedacht.
Stabile Preise und neue Attraktionen in Gera
Im Tierpark Gera ist es trotz steigender Kosten gelungen, die Eintrittspreise stabil zu halten, wie Stadtsprecherin Claudia Steinhäußer erklärt. Zur neuen Saison gibt es zahlreiche Jungtiere zu sehen, und die Parkeisenbahn ist bereit für den Einsatz. Perspektivisch sind geplant:
- Eine Gemeinschaftsanlage für Präriehunde und Baumstachler
- Ein neuer Eingangsbereich
Die Thüringer Tierparks stehen vor einem schwierigen Spagat: Einerseits müssen sie mit steigenden Kosten umgehen, andererseits wollen sie ihre Attraktivität für Besucher erhalten. Die kommende Saison wird zeigen, ob dieser Balanceakt gelingt.



