Berliner Kriminalstatistik zeigt gemischtes Bild: Schusswaffendelikte steigen deutlich
Die Berliner Polizei hat ihre Kriminalstatistik für das vergangene Jahr veröffentlicht und präsentiert dabei ein differenziertes Bild der Sicherheitslage in der Hauptstadt. Während die Gesamtzahl der Straftaten um 6,7 Prozent auf 502.743 Fälle gesunken ist, zeigen sich in einzelnen Deliktsbereichen besorgniserregende Entwicklungen.
Besorgniserregender Anstieg bei Schusswaffendelikten
Besonders alarmierend ist der deutliche Zuwachs bei Straftaten mit Schusswaffen. Die Polizei registrierte insgesamt 1.119 Fälle, in denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde – ein Anstieg um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 515 Fällen kam es tatsächlich zu Schussabgaben, während es sich in den übrigen Fällen primär um Drohungen handelte.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kommentierte diese Entwicklung mit deutlichen Worten: „Der deutliche Anstieg bei der Schusswaffenkriminalität ist für mich ein klares Warnsignal. Für illegalen Waffenbesitz und bewaffnete Auseinandersetzungen gilt in Berlin: Null Toleranz.“ Sie betonte, dass bei Konflikten mit Schusswaffen „eine rote Linie überschritten“ sei.
Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel wies darauf hin, dass in der Statistik nicht nur scharfe Schusswaffen, sondern auch Drohungen und Schüsse mit Schreckschuss- und Signalpistolen enthalten sind. Ein Teil des Anstiegs lässt sich auf die seit 2025 verpflichtende, genauere Erfassung der Waffenverwendung zurückführen.
Erfolge bei der Diebstahlsbekämpfung
Im Bereich der Diebstahlsdelikte verzeichnet die Polizei hingegen positive Entwicklungen. Insgesamt wurden rund 203.000 Diebstähle registriert, was einem Rückgang um neun Prozent entspricht. Besonders deutlich sanken die Zahlen bei:
- Ladendiebstählen (32.280 Fälle)
- Fahrraddiebstählen (22.630 Fälle)
- Taschendiebstählen (rund 13.600 Fälle)
Die Polizei führt diese Erfolge auf verschiedene Maßnahmen zurück: Moderne Überwachungstechnik in Geschäften, verstärktes Personal, erfolgreiche Verfolgung internationaler Täterbanden bei Kfz-Diebstählen sowie präventive Maßnahmen wie bessere Schlösser und Ortungstechnik bei Fahrrädern.
Allerdings gibt es einen negativen Trend bei Einbrüchen in Wohnungen, die von professionellen Täterbanden aus dem Ausland – insbesondere aus Georgien – verübt werden, die in ganz Deutschland und europaweit aktiv sind.
Gewalt in Beziehungen: Mehr Anzeigen, mehr Opfer
Die Statistik zeigt bei Gewalttaten in Partnerschaften und Familien einen Anstieg auf 20.160 Opfer, was einem Plus von fünf Prozent entspricht. 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Innensenatorin Spranger sieht in diesem Anstieg auch einen positiven Aspekt: „Die sogenannte häusliche Gewalt sei kein Tabuthema mehr, das zeige auch der Anstieg bei den Delikten.“
Frauen, die Gewalt erleben, gehen heute eher zur Polizei als früher. Durch das Berliner Sicherheitsgesetz können inzwischen fünf Täter mit elektronischen Fußfesseln überwacht werden, um ihre Aufenthaltsorte zu kontrollieren.
Messerverbotszonen zeigen Wirkung
Im Bereich der Messerangriffe wurden insgesamt 3.599 Fälle registriert, was einem Anstieg von 5,5 Prozent entspricht. Etwa die Hälfte davon waren Drohungen. Die Polizei ermittelte 1.906 Verdächtige, von denen 86 Prozent männlich und 56 Prozent nichtdeutscher Staatsangehörigkeit waren.
Erfolge verzeichnet die Polizei jedoch in den drei Messerverbotszonen in Berlin: Am Görlitzer Park und Kottbusser Tor in Kreuzberg sowie am Leopoldplatz in Wedding gab es einen Rückgang von Messertaten zwischen 25 und 45 Prozent. Vier verurteilten Messerstraftätern wurde inzwischen wegen fehlender charakterlicher Eignung der Führerschein entzogen, neun weitere mussten eine medizinisch-psychologische Untersuchung absolvieren.
Sexualstraftaten und politische Kriminalität
Bei Sexualstraftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung registrierte die Polizei 8.652 Fälle, was einem Anstieg von 16 Prozent entspricht. Dazu gehören etwa 2.100 Übergriffe, Nötigungen und Vergewaltigungen, 1.357 sexuelle Belästigungen und rund 1.000 Fälle von Kindesmissbrauch. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich bei Fällen mit Kinder- und Jugendpornografie aus dem Internet, was teilweise auf verstärkte Meldungen einer zuständigen US-Organisation zurückzuführen ist.
Im Bereich der politischen Straftaten wurden 8.645 Fälle erfasst, darunter Volksverhetzung, Propagandadelikte und das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen. Besonders auffällig ist der Anstieg antisemitischer Straftaten um 24 Prozent auf 2.268 Fälle, was mit dem Nahostkonflikt und antisemitischen Beleidigungen bei Demonstrationen und im Internet zusammenhängt.
Extremismus auf beiden Seiten
Die Statistik zeigt eine Zunahme sowohl rechtsextremer als auch linksextremer Gewalttaten. Bei rechtsextremen Taten handelt es sich oft um Jugendgruppen, die früher primär im Internet aktiv waren und nun auch in der Öffentlichkeit agieren. Linksextreme Gewalttaten stiegen um 100 auf 237 Fälle, darunter Angriffe und Widerstandshandlungen gegen Polizisten.
Die Aufklärungsquote der Berliner Polizei lag im vergangenen Jahr bei 44,9 Prozent. Die offizielle Kriminalstatistik gibt jedoch nur einen Teil der tatsächlichen Verbrechen wieder, da viele Delikte – insbesondere Diebstähle, Rauschgiftdelikte, Betrügereien und Gewalttaten in Beziehungen – nie bei der Polizei angezeigt werden und somit im sogenannten Dunkelfeld verbleiben.



