Berlin im Fokus der organisierten Kriminalität
Die Berliner Polizei hat im Jahr 2024 einen verursachten Schaden von 6,9 Millionen Euro durch organisierte Kriminalität (OK) festgestellt. Dies geht aus dem aktuellen OK-Lagebild hervor, das auf 55 großen Ermittlungsverfahren mit insgesamt 371 bekannten Verdächtigen basiert. Polizei und Staatsanwaltschaften konnten Vermögenswerte in Höhe von 2,9 Millionen Euro beschlagnahmen, doch das Dunkelfeld der nicht entdeckten Straftaten bleibt erheblich.
Ermittlungsschwerpunkte und Täterstrukturen
Bei 20 der 55 Ermittlungskomplexe standen Rauschgifthandel und -schmuggel im Mittelpunkt. Weitere wichtige Handlungsfelder waren Auto-Diebstähle, Einbrüche und Schleuserkriminalität, während in einigen Fällen auch Bewaffnungen und Waffenhandel eine Rolle spielten. Von den Ermittlungen wurden 40 durch die Berliner Polizei geführt, neun durch den Zoll sowie jeweils drei durch das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundespolizei.
In den Berliner OK-Ermittlungen waren mehrheitlich Verdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit involviert. Von den 371 Verdächtigen besaßen 120 (32 Prozent) die deutsche Staatsangehörigkeit. Weitere 60 Verdächtige (16 Prozent) stammten aus Polen, 29 (8 Prozent) hatten eine türkische Nationalität. Zudem wurden Libanesen, Georgier, Ukrainer, Syrer, Russen sowie Menschen aus Balkanstaaten registriert, während bei 25 Verdächtigen die Staatsangehörigkeit ungeklärt blieb.
Drogenhandel und digitale Verlagerung
Der Rauschgifthandel wird laut Polizei durch kriminelle Strukturen aus verschiedenen Herkunftsländern und Ethnien dominiert. Vorrangig werden klassische Drogenarten wie Cannabis, Kokain und Amphetamin gehandelt. Ein signifikanter Teil des Handels hat sich ins Internet verlagert, insbesondere in den Bereich sozialer Medien und Messengerdienste, was die Ermittlungen erschwert.
Internationale Netzwerke und Spezialisierungen
In einigen Bereichen der OK arbeiten Täter mit ähnlicher Herkunft zusammen. Bei der sogenannten Russisch-Eurasischen OK liegt der Schwerpunkt auf Verdächtigen aus der Region Nordkaukasus, einschließlich Tschetschenien. Der Russland-Ukraine-Krieg hat laut Lagebild die Zusammenarbeit zwischen den kriminellen Netzwerken weder unterbrochen noch zum Erliegen gebracht. Unter Clankriminalität werden arabischstämmige Beteiligte mit kurdischem, libanesischem oder palästinensischem Hintergrund geführt.
Autodiebstahl und internationale Verschiebung
Die internationale Kfz-Verschiebung wird durch kriminelle Strukturen aus Osteuropa betrieben. Nach Einschätzung der polnischen Polizei werden die meisten entwendeten Fahrzeuge zerlegt und die Einzelteile über Internet-Verkaufsplattformen weiterveräußert. Die Fahrzeuge und -teile werden unter anderem nach Russland, Belarus, Tadschikistan, Afrika und in den vorderasiatischen Raum verschoben.
Schleusungskriminalität und Menschenhandel
In der Schleusungskriminalität gibt es einen Schwerpunkt mit Verdächtigen aus Südostasien, beispielsweise Vietnam. Der Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung und Ausbeutung der Arbeitskraft konzentriert sich vor allem auf Verdächtige aus Südosteuropa, wie Rumänien, Bulgarien oder Albanien.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Berlin steht mit 55 OK-Komplexen bei insgesamt 647 in Deutschland geführten Verfahren an fünfter Stelle, hinter den Flächenstaaten Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg. In der Polizeistatistik wird organisierte Kriminalität als planmäßige Begehung von Straftaten definiert, bei der mindestens drei Beteiligte auf längere Zeit gewerbliche oder geschäftsähnliche Strukturen nutzen und Gewalt anwenden oder Einfluss auf Politik oder Wirtschaft nehmen.
Ein großer Teil der allgemeinen Kriminalität fällt nicht unter diese OK-Definition, da es keine festen Strukturen gibt und die Beteiligten wechseln. Solche Fälle werden oft als Schwere strukturelle Kriminalität (SsK) klassifiziert, was die Komplexität der Bekämpfung unterstreicht.



