Berlin: Erneut Schüsse auf offener Straße - Mann schwer verletzt
Die Berliner Polizei kämpft gegen eine zunehmende Welle von Schießereien in der Hauptstadt. In der Nacht zu Dienstag wurde in Schöneberg ein 38-jähriger Mann auf offener Straße angeschossen und schwer verletzt. Die Tat ereignete sich gegen Mitternacht, als der oder die Täter mit einem Auto angefahren kamen, mehrere Schüsse abgaben und anschließend flüchteten.
Opfer mit Schüssen in den Unterkörper getroffen
Das Opfer wurde von den Geschossen in den Unterkörper getroffen und musste von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht werden. Glücklicherweise bestand nach Angaben der Polizei keine Lebensgefahr, doch der Vorfall unterstreicht die alarmierende Entwicklung der Waffengewalt in Berlin. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und durchsuchte den Tatort nach Spuren, konnte die Täter jedoch zunächst nicht identifizieren.
Reihe ähnlicher Vorfälle in kriminellem Milieu
Dieser Angriff reiht sich ein in eine Serie von ähnlichen Taten, die sich in den vergangenen Monaten in Berlin häufen. Oft handelt es sich dabei um:
- Erpressungen von Geschäftsleuten
- Revierkämpfe innerhalb der organisierten Kriminalität
- Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden
Erst Ende vergangener Woche wurde in Kreuzberg ein 23-jähriger, polizeibekannter Mann durch mehrere Schüsse auf offener Straße verletzt. Die Täter flohen auch in diesem Fall unerkannt.
Innensenatorin Spranger: "Null Toleranz bei illegalem Waffenbesitz"
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) äußerte sich im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses entschieden zu den Vorfällen: "Ich dulde keine bewaffneten Auseinandersetzungen in unserer Stadt." Sie betonte eine Politik der "Null Toleranz" beim illegalen Waffenbesitz und forderte eine dringende Verschärfung des Waffengesetzes, um den Besitz von Schusswaffen als Verbrechen einzustufen.
"Die Polizei ermittelt in jedem Fall, Verdächtige werden identifiziert", versicherte Spranger. Besonders die Lieferwege für Waffen müssten aufgeklärt und zerschlagen werden, um die Versorgung der kriminellen Szene mit Schusswaffen zu unterbinden.
Dramatischer Anstieg der Schusswaffendelikte
Die Zahlen der Polizeistatistik belegen die besorgniserregende Entwicklung: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Straftaten, bei denen mit Schusswaffen gedroht oder geschossen wurde, um 68 Prozent auf insgesamt 1.119 Fälle an. In 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen, wobei auch Schüsse mit Schreckschusspistolen in dieser Statistik enthalten sind.
Polizei richtet Sondereinheit "Ferrum" ein
Als Reaktion auf die zunehmende Waffengewalt richtete die Polizei bereits im November im Landeskriminalamt (LKA) die Sondereinheit "Ferrum" ein. Diese Spezialeinheit konzentriert sich gezielt auf das Problem der verbreiteten Schusswaffen und Schießereien. Durch regelmäßige Razzien in Bars und an bekannten Treffpunkten soll die organisierte Kriminalität unter Druck gesetzt werden.
Gewerkschaft der Polizei fordert mehr Videoüberwachung
Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich über den jüngsten Vorfall alarmiert. Sprecher Benjamin Jendro erklärte: "Täglich grüßt das Murmeltier, und so traurig es klingt. In Berlin vergeht kaum eine Nacht, in der nicht irgendjemand zur Schusswaffe greift."
Die Gewerkschaft fordert konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Waffengewalt:
- Ausweitung der Videoüberwachung an neuralgischen Punkten
- Moderne Auswertetechnik für Ermittlungen
- Effektivere Maßnahmen gegen illegalen Waffenhandel
"Wer auf der Straße mehrere Schüsse auf eine Person abgibt, ist bereit zu töten und nimmt neben seinem Ziel auch andere Opfer in Kauf", so Jendro weiter. Die GdP warnt vor einer zunehmenden "Durchbewaffnung der Szene" und betont, dass immer mehr Menschen in Berlin private Fehden oder Konkurrenzkämpfe in der organisierten Kriminalität mit Waffengewalt lösen würden.
Die Berliner Polizei setzt ihre Fahndung nach den Tätern fort und bittet Zeugen, sich mit Hinweisen zu melden. Die Bevölkerung zeigt sich zunehmend besorgt über die Sicherheitslage in der Hauptstadt.



