Berlin im Ausnahmezustand: Schüsse in der Hauptstadt nehmen dramatisch zu
Die deutsche Hauptstadt kommt nicht zur Ruhe. Kaum ein Tag vergeht, an dem in Berlin nicht scharf geschossen wird. Zuletzt gab es drei schwere Vorfälle innerhalb von nur drei Tagen, die die alarmierende Entwicklung unterstreichen.
Neun schwere Taten seit März
Der aktuellste Vorfall ereignete sich am frühen Donnerstagmorgen im Bezirk Neukölln. Zwei maskierte Männer schossen gegen 4.40 Uhr auf ein Café an der Hermannstraße, während sich sechs Gäste in dem Lokal befanden. Nach ersten Erkenntnissen wurde zum Glück niemand verletzt, doch mehrere Projektile schlugen in die Scheibe ein.
Damit kam es seit Anfang März bereits zu neun Taten, bei denen die Opfer schwer, teilweise sogar lebensgefährlich verletzt wurden. Diese Entwicklung ist bereits seit Monaten zu beobachten und stellt die Berliner Polizei vor enorme Herausforderungen.
Polizeistatistik zeigt besorgniserregenden Trend
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Allein im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Berlin insgesamt 1119 Schusswaffendelikte. In 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen, in 604 Fällen wurde mit einer Schusswaffe gedroht. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es insgesamt 666 Delikte – ein deutlicher Anstieg innerhalb eines Jahres.
Angesichts dieser Entwicklung gründete die Polizei im November 2025 die Sondereinheit „Ferrum“, um gezielt gegen die Häufung von Schüssen im öffentlichen Raum und den zunehmenden Bandenkrieg in der Organisierten Kriminalität vorzugehen.
Erfolge der Sondereinheit „Ferrum“
Die Spezialeinheit konnte bereits beachtliche Erfolge vorweisen. Bis Ende Februar 2026 wurden durch „Ferrum“ folgende Maßnahmen umgesetzt:
- 260 Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet
- 78 gefährliche Gegenstände und Waffen beschlagnahmt
- 18 scharfe Schusswaffen sichergestellt
- 13 Haftbefehle erlassen
Bei einer Drogen-Razzia am 26. März, die von der Spezialeinheit unterstützt wurde, konnte unter anderem eine scharfe Pistole sichergestellt werden.
Reihe schwerer Vorfälle in kurzer Zeit
Die jüngsten Fälle zeigen das Ausmaß des Problems:
- Donnerstagmorgen (Neukölln): Schüsse auf Café mit sechs anwesenden Gästen
- Mittwoch (Moabit): Schießerei vor einem Gefängnis mit Verletzten
- Dienstag (Neukölln): Mehrere Einschusslöcher an einem Lokal entdeckt
- Sonntag (29. März, Neukölln): Schüsse auf Café von fahrendem Auto aus
- Eine Woche zuvor (Schöneberg): Mann aus Wohnung gelockt und angeschossen
- Sonnabend (21. März, Wilmersdorf): 23-Jähriger mit mehreren Schussverletzungen entdeckt
- Donnerstag (19. März, Kreuzberg): Gezieltes Attentat auf Clan-Mitglied
- Dienstag (10. März, Kreuzberg): Zwei Brüder bei Streit angeschossen
- Dienstag (3. März, Friedrichshain): Mann mit lebensgefährlichen Verletzungen entdeckt
Besonders schwere Einzelfälle
Ein besonders brutaler Vorfall ereignete sich am Donnerstag, dem 19. März, an der Graefestraße im Bezirk Kreuzberg. Mehrere Schüsse feuerten bislang unbekannte Täter auf ihr Opfer Mustapha W. (23) ab. Drei Kugeln trafen den Libanesen im Oberkörper, am Bein und am Arm. Die Polizei geht von einem gezielten Attentat auf ein Clan-Mitglied aus.
Ebenfalls in Kreuzberg gerieten am 10. März zwei Brüder (25, 31) an der Böckhstraße mit mehreren Männern in Streit. Dann fielen Schüsse – ein Bruder wurde am Fuß, der andere im Oberschenkel getroffen. Die Täter flüchteten in einem Auto.
Polizei sucht intensiv nach Zeugen
In mehreren Fällen sind die Täter noch auf der Flucht, und die Polizei sucht dringend Zeugen. So etwa beim Vorfall am Sonnabend, dem 21. März, als ein 23-Jähriger mit mehreren Schussverletzungen auf der Brandenburgischen Straße in Wilmersdorf entdeckt wurde.
Auch im Volkspark Friedrichshain, wo am 3. März ein 50-jähriger Mann mit lebensgefährlichen Verletzungen entdeckt wurde, ermittelt die Polizei wegen versuchten Totschlags und bittet um Zeugenhinweise.
Langfristige Herausforderung für die Sicherheitsbehörden
Die Häufung der Schusswaffendelikte stellt die Berliner Sicherheitsbehörden vor langfristige Herausforderungen. Die Sondereinheit „Ferrum“ hat zwar erste Erfolge erzielt, doch die jüngste Serie von Vorfällen zeigt, dass das Problem tief verwurzelt ist und nachhaltige Lösungen erfordert.
Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass viele der Schüsse in belebten Stadtteilen und sogar in Lokalen mit anwesenden Gästen erfolgen – eine Entwicklung, die das Sicherheitsgefühl der Berliner Bevölkerung erheblich beeinträchtigt.



