Berlin: Erneut Schüsse in Neukölln - Festnahmen in Hessen nach Schöneberg-Attacke
Die Berliner Polizei wurde am Wochenende erneut mit Schüssen und gezogenen Waffen konfrontiert. In Neukölln schossen Unbekannte auf die Scheiben einer Gaststätte in der Hermannstraße, wie die Behörden mitteilten. Verletzt wurde bei diesem Vorfall niemand, obwohl sich zum Tatzeitpunkt Menschen in dem Lokal aufhielten. Die Einsatzkräfte sicherten umgehend Spuren und leiteten Ermittlungen ein.
Hintergrund der Gewaltwelle in der Hauptstadt
In den vergangenen Monaten häuften sich Schüsse auf den Straßen Berlins, die zu Leicht- und Schwerverletzten führten. Die Ermittler verorten viele dieser Taten im kriminellen Milieu. Laut Polizei handelt es sich häufig um Erpressungen von Geschäftsleuten sowie Revierkämpfe und Auseinandersetzungen innerhalb der organisierten Kriminalität. Diese Entwicklung hat zu erheblicher Besorgnis in der Bevölkerung geführt.
Festnahmen in Hessen für Schöneberg-Angriff
Parallel zu den Ereignissen in Neukölln führten Ermittlungen zu einem ersten Erfolg in einem anderen Fall. Im hessischen Darmstadt nahm die Polizei drei Männer im Alter von 19, 20 und 21 Jahren fest. Sie sollen für den Schusswaffenangriff auf einen 38-Jährigen in Schöneberg verantwortlich sein, der sich am vergangenen Wochenende ereignete. Der Mann wurde im Unterkörper verletzt, Lebensgefahr bestand jedoch nicht.
Den Verdächtigen wird vorgeworfen, am 22. März von Darmstadt aus nach Berlin gereist zu sein. In Schöneberg sollen sie den 38-Jährigen aus seiner Wohnung gelockt und auf ihn geschossen haben. Nach der Tat entkamen die Täter zunächst unerkannt. Ein Ermittlungsrichter erließ am Freitag Haftbefehl gegen die Festgenommenen.
Polizeiliche Maßnahmen und Sondereinheiten
Angesichts der anhaltenden Gewalt hat die Polizei spezielle Maßnahmen ergriffen. Beim Landeskriminalamt (LKA) wurde die Sondereinheit „Ferrum“ eingerichtet, deren Name aus dem Lateinischen übersetzt „Eisen“ bedeutet. Die Berliner Staatsanwaltschaft zog mit der neuen Ermittlungsgruppe „Telum“ nach. Diese Einheiten setzen durch Razzien in Bars und an Treffpunkten die organisierte Kriminalität unter Druck.
Die Sondereinheit ermittelt aktuell nicht nur zu den Schüssen in Schöneberg, sondern auch zu dem Vorfall in Neukölln. Am vergangenen Montag rückte die Polizei zudem mit einem größeren Aufgebot im Volkspark Hasenheide an, nachdem Zeugen von Schüssen berichtet hatten. Die Suche mit rund 50 Polizistinnen und Polizisten blieb nach knapp drei Stunden jedoch ohne Ergebnisse.
Weitere Vorfälle mit Schusswaffen am Wochenende
Am Wochenende kam es in Berlin zu zwei weiteren Fällen mit Schusswaffen, die nach ersten Erkenntnissen nichts mit den genannten Vorgängen zu tun haben. In Hellersdorf wurde ein Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) gerufen, weil ein 49-Jähriger einen Pizzaboten mit einer Schusswaffe bedroht haben soll. Der Lieferant konnte unverletzt entkommen. Bei dem Verdächtigen ergab eine Atem-Alkoholkontrolle einen Wert von knapp 2,2 Promille. Die scharfe Waffe mit Munition wurde sichergestellt.
In Kreuzberg soll in der Nacht auf Sonntag ein 24-Jähriger an ein Fahrzeug mit zwei Männern herangetreten sein, eine Waffe gezogen und diese durchgeladen haben. Zivilbeamte beobachteten die Szene und schritten ein. Verletzt wurde niemand. Der 24-jährige Verdächtige wurde festgenommen. Beteiligt an der Szene war laut Angaben ein 25 Jahre alter Mann, bei dem es sich um einen derzeit vom Dienst suspendierten Auszubildenden der Berliner Polizei handeln soll.
Die Polizei betont, dass diese beiden Vorfälle isoliert betrachtet werden und keine Verbindung zu den anderen Schüssen aufweisen. Dennoch unterstreichen sie die allgemeine Problematik von Waffengewalt in der Stadt.



