Berliner Staatsanwaltschaft intensiviert Kampf gegen Schusswaffenkriminalität
Die neue Chefin der Berliner Staatsanwaltschaft, Ingrid Jaeger, hat die Bekämpfung von Schusswaffenkriminalität zu einem ihrer wichtigsten Arbeitsschwerpunkte erklärt. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betonte die Leitende Oberstaatsanwältin, dass eine Staatsanwaltschaft, die für ein friedliches und ordnungsbasiertes Zusammenleben stehe, gewährleisten müsse, dass Bürgerinnen und Bürger ohne Angst vor Schüssen auf die Straße gehen könnten.
Spezialeinheiten für gezielte Ermittlungen
Die Berliner Staatsanwaltschaft verfügt über sechs Spezialabteilungen mit verschiedenen Schwerpunkten im Bereich der organisierten Kriminalität. Diese strukturelle Größe ermöglicht es der Behörde, flexibel auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. „Dadurch können wir ad hoc sagen, hier bilden wir einen Arbeitsschwerpunkt“, erklärte Jaeger. „Sobald die Polizei sagt, wir ziehen Kräfte zusammen und wir finden das wichtig, setzen wir Leute frei.“
Dieser Ansatz wurde zuletzt bei vermehrten Schüssen in Berlin umgesetzt. Die Polizei richtete eine Sondereinheit des Landeskriminalamtes mit dem Namen „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“) ein, während die Staatsanwaltschaft mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Waffe“) nachzog. Die Schüsse richteten sich laut Polizeikenntnissen vor allem gegen Personen im kriminellen Milieu und standen im Zusammenhang mit Erpressungen von Geschäftsleuten, Revierkämpfen und Auseinandersetzungen innerhalb der organisierten Kriminalität.
Grenzen der präventiven Arbeit
Jaeger räumte ein, dass die Staatsanwaltschaft selten präventiv tätig werden könne. „Wir kommen immer nach der Tat“, sagte die Juristin. Dennoch verfüge ihre Behörde im Bereich der organisierten Kriminalität über exzellent ausgebildete Juristinnen und Juristen – unabhängig davon, ob es um Kfz-Bandendiebstahl, organisierte Drogenkriminalität oder andere Deliktsbereiche gehe.
„Das ist auch wichtig. Denn wir müssen wirksam werden, wenn die organisierte Kriminalität unsere demokratische Ordnung anfasst“, betonte Jaeger. Die eigentliche Gefahr bestehe darin, dass nicht nur Leib, Leben oder Vermögen angegriffen würden, sondern dass implizit die Botschaft vermittelt werde: „Wir bestimmen, was hier gilt.“ Dagegen gelte es mit aller Kraft anzugehen und deutlich zu machen: „Da kommt ihr nicht weiter.“
Erfolge bei Vermögensabschöpfung
Als ermutigendes Beispiel nannte Jaeger einen aktuellen Fall, bei dem Autos von Justizvollzugsbediensteten in Brand gesetzt wurden. Im März verurteilte das Landgericht Berlin zwei Mitglieder einer bekannten arabischen Großfamilie und einen weiteren Angeklagten zu Haftstrafen. „Täter müssen wissen, dass wir keine Möglichkeit zulassen, Menschen durch Gewalt oder Drohungen von ihrer Arbeit abzuhalten“, so die Staatsanwältin.
Gleichzeitig betonte die 61-Jährige, dass Staatsanwälte und Staatsanwältinnen im Bereich der organisierten Kriminalität eine „hohe Frustrationstoleranz“ benötigten. Dies gelte insbesondere für die Vermögensabschöpfung, bei der es darum gehe, durch Straftaten erzielte Werte einzuziehen. Berlin habe hier in den vergangenen Jahren „wahnsinnige Fortschritte“ gemacht. Allein 2025 seien durch Vermögensabschöpfung 21,8 Millionen Euro endgültige Einnahmen für das Land Berlin erzielt worden.
„Man muss sich seine Erfolge vor Augen halten, um aufzustehen und weiterzumachen“, resümierte Jaeger. Trotz der Herausforderungen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität sieht die Behördenleiterin deutliche Fortschritte und ist entschlossen, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.



