BKA-Präsident warnt vor KI-gestütztem Betrug im deutschsprachigen Raum
Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz erleichtert Betrugsdelikte im Internet erheblich und ebnet Kriminellen den Zugang zu neuen Opfergruppen in Deutschland. „Bei den Betrugsdelikten können mehr Akteure im deutschsprachigen Raum aktiv werden, weil durch den Einsatz von KI die Sprachbarriere fällt“, erklärt der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, in einem aktuellen Interview. Er betont, dass sowohl die Qualität als auch die Quantität von Betrugsdelikten durch den Einsatz von KI-Tools spürbar zunehmen.
Fake-Shops und Phishing: KI macht Betrug professioneller
Ein konkretes Beispiel sind sogenannte Fake-Shops, bei denen Verbraucher Produkte bestellen, im Voraus bezahlen, aber niemals eine Lieferung erhalten. „Einen echt wirkenden Internetauftritt für einen Fake-Shop zu bauen, sei durch KI viel leichter geworden“, so Münch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch Phishing-Attacken, bei denen sich Angreifer als vertrauenswürdige Quellen ausgeben, um an sensible Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu gelangen, profitieren von KI. Diese Tools machen die Angriffe für Täter einfacher und für potenzielle Opfer deutlich schwieriger zu erkennen.
Anlagebetrug verursacht massive finanzielle Schäden
Besonders große Schäden entstehen durch Anlagebetrug, wie der BKA-Präsident berichtet. „Den Opfern wird hierbei vorgespielt, sie hätten ein Depot, das sich entwickelt, damit sie immer mehr Geld investieren“, erläutert Münch. Am Ende verschwindet das gesamte investierte Geld, während die Täter meist aus dem Ausland operieren – beispielsweise über Call-Center oder Messengerdienste. Münch fordert daher verstärkte präventive Maßnahmen, um betrügerische Websites und Telefonnummern schneller zu identifizieren und abzuschalten.
Rechtliche Hürden: Polizei kann Betrugswerbung nicht löschen lassen
Anders als bei terroristischen Inhalten, deren Löschung die Polizei anordnen kann, fehlt bei Betrugswerbung in sozialen Medien die rechtliche Handhabe. Münch wirft jedoch eine kritische Frage auf und spielt den Ball an die Social-Media-Unternehmen zurück. „Warum der Staat hier etwa mit Löschanregungen einen hohen Aufwand betreiben muss, und was die Plattformen mit Unterstützung von KI vielleicht auch selbst machen könnten“, fragt der BKA-Präsident. Er betont, dass unabhängig von den rechtlichen Möglichkeiten die Plattformbetreiber eine größere Verantwortung übernehmen sollten.
Zusammenfassung der Herausforderungen
- KI überwindet Sprachbarrieren und ermöglicht mehr Betrug im deutschsprachigen Raum.
- Fake-Shops und Phishing werden durch KI-Tools professioneller und schwerer zu erkennen.
- Anlagebetrug verursacht erhebliche finanzielle Verluste, wobei Täter oft aus dem Ausland agieren.
- Die Polizei hat keine rechtliche Befugnis, Betrugswerbung in sozialen Medien löschen zu lassen.
- BKA-Präsident Münch fordert mehr Eigeninitiative von Social-Media-Plattformen bei der Bekämpfung betrügerischer Inhalte.



