Blaupunkt-Radio aus NS-Zeit: Geheimer Empfang von Feindsendern in Warnemünde
Blaupunkt-Radio: Geheimer Empfang von Feindsendern

Seit Jahrhunderten birgt Warnemünde viele Kostbarkeiten, die voller Geschichte(n) stecken. Zu den Warnemünder Schätzen gehört auch ein Blaupunkt-Empfänger aus den 1930er-Jahren. Das Gerät ist heute im Heimatmuseum Warnemünde zu sehen und erzählt eine bemerkenswerte Geschichte.

Ein hochwertiges Gerät und kein „Volksempfänger“

Museumsleiter Christoph Wegner ordnet das Stück aus Warnemünde als hochwertiges Gerät ein. Im Gegensatz zum verbreiteten „Volksempfänger“ wurde es genutzt, um heimlich sogenannte Feindsender zu hören – in der NS-Zeit und später in der DDR. „Das Gerät stammt aus dem Besitz des Zimmermeisters Heinrich Kruse und wurde durch seinen Enkel Dieter Eints übergeben“, erläutert Wegner. „Es wurde während der Kriegs- und Nachkriegsjahre versteckt, um Beschlagnahmen und Verbote zu umgehen. Als das Hören westlicher Sender wieder möglich war, wurde der Apparat aus dem Versteck geholt – zuletzt diente er dem Empfang des RIAS.“ Das Radio war im vergangenen Jahr in der Ausstellung „Rostock 1945“ im Kulturhistorischen Museum Rostock zu sehen.

Bei dem Radio handelt es sich um ein Modell „Blaupunkt (Ideal), Berlin“, Baujahr etwa 1935/36, ausgelegt für Lang- und Mittelwelle, mit Holzgehäuse und Wechselstromspeisung. Der damalige Neupreis lag bei rund 280 Reichsmark – eine beträchtliche Summe für die damalige Zeit.

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Eine echte Geheimsitzung – mit Radio

Versteckt heißt übrigens nicht, dass Kruse während der NS-Zeit nicht Radio gehört hätte. Er war Mitglied in einem etwas obskuren Druidenorden, der bis zu Hitlers Machtergreifung in Warnemünde existierte. Eine Art Geheimbund für Jedermann mit humanitärer Ausrichtung. Es heißt, dass Kruse vom Kriegsbeginn 1939 bis Kriegsende 1945 jeden Abend um acht Uhr mit dem Blaupunkt-Radioempfänger den Londoner Rundfunk gehört haben soll – während Türen und Fenster verschlossen waren. Auf seinem Logenstuhl sitzend. Eine echte Geheimsitzung, die ihm und anderen möglicherweise das Leben rettete, da sie so unzensierte Nachrichten erhielten.

Das „verdeckte Aufbewahren von verbotenen oder bedrohten Gegenständen“, erläutert Wegner, gab es in Warnemünde übrigens schon früher. Bei Renovierungsarbeiten fand sich zum Beispiel auch schon mal eine Aalharke, die in der Wand einer Stube verbaut war. Der Einsatz dieses Fanginstruments war bis ins 19. Jahrhundert streng verboten. Sehr geheimnisvoll – dieses Warnemünde.

Das Heimatmuseum Warnemünde bewahrt nicht nur diesen Schatz, sondern viele weitere Objekte, die die Geschichte der Küstenregion lebendig halten. Wer mehr über die Vergangenheit erfahren möchte, kann das Museum besuchen und sich selbst ein Bild von den verborgenen Geschichten machen.

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