Kripobeamtin schildert Vorgehen nach Entführung der Block-Kinder
Am 38. Verhandlungstag im Prozess um die Entführung der Kinder von Christina Block hat eine Kriminalbeamtin als Zeugin vor dem Hamburger Landgericht ausführlich das Vorgehen der Polizei in den ersten Stunden nach dem Vorfall geschildert. Die Beamten hielten demnach zunächst auch eine konkrete Gefahr für die Mutter selbst für durchaus möglich.
Informationsauftrag von dänischer Polizei erhalten
Die 33-jährige Kripobeamtin erklärte, sie habe am 1. Januar 2024 gegen Mittag von der dänischen Polizei den expliziten Auftrag erhalten, Christina Block persönlich über die Entführung ihrer beiden Kinder zu informieren. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark entführt worden.
„Da es sich um eine vermögende Familie handelt, haben wir eine Gefährdungslage gesehen“, betonte die Beamtin in ihrer Aussage. Man habe die Mutter jedoch weder an ihrer privaten Anschrift noch im zur Block-Familie gehörenden Hotel „Grand Elysée“ in Hamburg antreffen können.
Erst Navigationsdaten führten zu Tatverdacht
Ein konkreter Tatverdacht gegen Christina Block habe sich erst ergeben, als in den Navigationsgeräten von zwei Mietfahrzeugen, die die mutmaßlichen Entführer am Flughafen zurückgegeben hatten, die Adresse des Elysée-Hotels entdeckt worden war. Bis zu diesem Zeitpunkt stand aus Sicht der Ermittler die mögliche Gefährdung der Mutter im Vordergrund.
An jenem Neujahrstag waren die beiden Block-Kinder, damals 10 und 13 Jahre alt, von den Entführern zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht worden. Von dort holte Christina Block sie nach eigenen späteren Angaben schließlich nach Hamburg zurück.
Verteidigung sieht Bestätigung in Aussage
Blocks Verteidiger, Ingo Bott, wertete die Aussage der Kripobeamtin als deutliche Bestätigung seiner Verteidigungsstrategie. „Das widerspricht einem Tatplan“, sagte Bott mit Verweis darauf, dass seine Mandantin die Silvesternacht im Hotel gefeiert und danach zu Hause ausgeschlafen habe. Die Polizei hätte sie am Morgen des 1. Januar problemlos finden können.
„Es hätte all das nicht funktionieren können, wenn die Polizei ihren Job gemacht hätte“, erklärte der Verteidiger mit klarem Blick auf den zentralen Vorwurf, Christina Block habe einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung gegeben. Die 52-jährige Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestreitet diese Vorwürfe nach wie vor entschieden.
Hintergrund des erbitterten Sorgerechtsstreits
Die Unternehmerin führt seit Jahren einen äußerst erbitterten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel um die beiden jüngsten der vier gemeinsamen Kinder. Bereits im Sommer 2021 waren die Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt, was die bereits angespannte Situation weiter verschärft hatte.
Der Prozess vor dem Hamburger Landgericht wirft somit nicht nur ein Licht auf die konkreten Ereignisse der Entführung, sondern auch auf die langwierigen und emotional aufgeladenen familiären Auseinandersetzungen im Hintergrund. Die Aussage der Kripobeamtin markiert einen wichtigen Punkt in der Beweisaufnahme.



