Erstes Gerichtsauftreten des mutmaßlichen Bondi-Beach-Attentäters
Der überlebende mutmaßliche Attentäter vom Bondi Beach, Naveed A., ist am Montag erstmals vor einem Gericht in Sydney erschienen. Nach dem verheerenden Massaker während des jüdischen Lichterfests Chanukka muss sich der 24-Jährige nun juristisch verantworten. Die Auftaktverhandlung verlief außergewöhnlich schweigsam, wie mehrere australische Medien übereinstimmend berichteten.
Schweigsamer Auftritt per Videoübertragung
Naveed A. wurde per Videoübertragung aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Goulburn zugeschaltet, das etwa 200 Kilometer von Sydney entfernt liegt. Es handelte sich um das erste Mal, dass der mutmaßliche Täter seit dem Terroranschlag öffentlich zu sehen war. A. trug einen grünen Gefängnisoverall und beschränkte seine Äußerungen auf absolute Minimalantworten.
Richterin Sharon Freund fragte den Angeklagten, ob er ihre Ausführungen verstanden habe. A. antwortete lediglich mit einem knappen "Yeah". Als die Richterin ihm mitteilte, dass sein Anwalt ihn später anrufen werde, lautete seine Antwort ein einfaches "Yep". Diese wortkargen Reaktionen prägten den gesamten kurzen Gerichtstermin.
Umfangreiche Anklage mit 59 Tatvorwürfen
Dem mutmaßlichen Attentäter werden insgesamt 59 Tatbestände zur Last gelegt. Die schwerwiegendsten Anklagepunkte umfassen 15-fachen Mord und Terrorismus. Zusätzlich wird ihm vorgeworfen, Sprengsätze in oder nahe einem Gebäude platziert zu haben mit der Absicht, erheblichen Schaden anzurichten.
Laut Polizeiangaben hatten Naveed A. und sein 50-jähriger Vater am 14. Dezember während des Chanukka-Fests das Feuer auf eine feiernde Menge im Archer Park am Bondi Beach eröffnet. Bei dem Angriff starben 15 Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt. Der Vater wurde von der Polizei am Tatort erschossen, während A. zunächst ins Koma fiel und überlebte.
Hintergrund und Verbindungen zum Islamischen Staat
Ermittlungsergebnissen zufolge unterhielten Vater und Sohn Verbindungen zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Der Anschlag gilt als die schlimmste Terrorattacke in der jüngeren Geschichte Australiens und hat das Land tief erschüttert.
Vor dem Gerichtssaal äußerte sich A.s Anwalt Ben Archbold zu den schwierigen Umständen. "Es ist noch zu früh, um etwas über das Plädoyer meines Mandanten zu sagen", erklärte der Rechtsvertreter. Über den Gesundheitszustand seines Mandanten sagte Archbold, es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", wobei er die Haftbedingungen als "sehr beschwerlich" beschrieb.
Berufliche Pflichten und nächste Schritte
Der Anwalt betonte seine professionelle Haltung gegenüber dem umstrittenen Mandanten: "Er ist ein Mandant, der vertreten werden muss, und unsere persönliche Meinung hat keinen Einfluss auf unsere beruflichen Pflichten." Archbold hatte A. bereits im Gefängnis besucht und wird die Verteidigung in den kommenden Verfahren übernehmen.
Die juristische Aufarbeitung des Bondi-Beach-Anschlags hat mit dieser ersten Verhandlung gerade erst begonnen. Naveed A. wird am 9. April erneut vor Gericht erwartet, wo die Verfahren gegen den mutmaßlichen Attentäter fortgesetzt werden. Die australische Justiz bereitet sich auf einen langwierigen Prozess vor, der international große Aufmerksamkeit erhalten wird.



