Dessau/MZ. - Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten auch lebende Reparationen entrichtet werden. 1946 verschleppte die Sowjetunion über 2.000 deutsche Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker samt ihren Familien aus Mitteldeutschland, darunter Spezialisten der Junkers-Werke in Dessau. 2026 jährt sich dieses weitgehend vergessene Ereignis zum 80. Mal.
Simone Trieder liest aus ihren Werken
Die Autorin Simone Trieder, deren Familie selbst von dem erzwungenen mehrjährigen Wohnortwechsel betroffen war, hat diesem Thema zwei Bücher gewidmet: „Unsere russischen Jahre“ und „Gastrow“. Im Rahmen der Landesliteraturtage liest sie am Donnerstag, 14. Mai, daraus. Begleitend werden historische Bilder gezeigt. Trieder hofft, mit Nachkommen der Betroffenen ins Gespräch zu kommen.
Hintergrund der Verschleppung
Die Aktion war Teil der sowjetischen Reparationspolitik. Deutsche Fachkräfte sollten beim Wiederaufbau der sowjetischen Industrie helfen. Viele kehrten erst Jahre später zurück, manche blieben für immer. Die Junkers-Werke waren ein bedeutendes Zentrum der Luftfahrttechnik, weshalb ihre Ingenieure besonders begehrt waren.
Die Lesung findet im Rahmen der Landesliteraturtage statt, die jährlich wechselnde literarische Schwerpunkte setzen. Trieders Werke beleuchten ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, das lange im Schatten anderer Ereignisse stand.



