Camping-Urlauber im Visier: Betäubungsgas-Einbrüche nehmen besorgniserregende Ausmaße an
Die neue Camping-Saison beginnt mit alarmierenden Nachrichten: Kriminelle Banden sollen Urlauber in ihren Wohnmobilen und Zelten mit Betäubungsgasen ausschalten, um sie anschließend auszurauben. Was wie ein Szenario aus einem Action-Thriller klingt, entwickelt sich zu einer realen Gefahr für Camping-Enthusiasten in ganz Europa.
Polizei warnt vor Leichtsinn beim Camping
Polizeioberkommissar Uwe Kaatz von der Rostocker Polizeiinspektion erklärt die besondere Gefährdungslage: „Campingfahrzeuge sind letztlich auch nur ein Haus auf Rädern – und damit ein attraktives Ziel für Einbrecher.“ Die Urlauber führen oft Bargeld, Kreditkarten und wertvolle Gegenstände mit sich, was die Fahrzeuge zu lukrativen Zielen macht.
Der Präventionsberater betont die Bedeutung einfacher Sicherheitsmaßnahmen: „Mechanik verhindert, Elektronik meldet – dieses Prinzip gilt sowohl für Einfamilienhäuser als auch für Fahrzeuge.“ Besonders die Fahrertür sei ein häufiger Einbruchspunkt, der durch den Einbau von Stahlplatten gesichert werden könne.
Betäubungsgas-Einsatz: Verdacht bestätigt sich
Besonders beunruhigend sind Berichte über den Einsatz von Narkosegasen. Viele Einbruchsopfer vermuten, nachts mit Betäubungsmitteln außer Gefecht gesetzt worden zu sein. „Wenn es dazu kommt, haben die Kriminellen alle Zeit der Welt, das Fahrzeug aufzubrechen und auszurauben“, warnt Kommissar Kaatz.
Während in Mecklenburg-Vorpommern solche Vorfälle bisher selten seien, häuften sie sich in beliebten Urlaubsregionen:
- Skandinavien
- Südfrankreich
- Mittelmeerregionen
Medizinische Expertise bestätigt Gefahr
Dr. Gernot Rücker, Anästhesist an der Universitätsmedizin Rostock, bestätigt die medizinische Machbarkeit solcher Taten: „Es ist realistisch, dass es zu solchen Taten in Campingfahrzeugen kommen kann. Es gibt Narkotika, die dafür genutzt werden können – diese sind flüssig, verdampfen beim Auskippen und lassen die Betroffenen tiefer schlafen.“
Sicherheitstechnik als Schutzmaßnahme
Marcus Müller vom Autohaus Gebrüder Müller in Tessin berichtet von konkreten Schutzmöglichkeiten. Sein Unternehmen vertreibt spezielle Alarmanlagen für Wohnmobile, die per Bluetooth und Mobiltelefon steuerbar sind. Besonders interessant: Gaswarnsysteme, die nicht nur vor Propan und Butan warnen, sondern auch vor Narkosegasen.
„Die Warnsysteme sind sehr empfindlich und schlagen bereits beim normalen Kochen mit Propan oder Butan an“, erklärt Müller. Ein Bekannter sei in Italien mit Hilfe von Narkosegas ausgeraubt worden – mit den typischen Folgen: „Er hatte am nächsten Tag Kopfschmerzen und zwei Brieftaschen waren weg.“
Rechtliche Konsequenzen und Präventionstipps
Oberstaatsanwalt Harald Nowack von der Staatsanwaltschaft Rostock verdeutlicht die schwerwiegenden rechtlichen Konsequenzen: Solche Taten könnten als Wohnungseinbruchsdiebstahl mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.
Polizeioberkommissar Kaatz gibt konkrete Präventionstipps für Camping-Urlauber:
- Offizielle, größere Campingplätze bevorzugen, wo Täter schneller erkannt werden
- Sich über den Abstellort des Fahrzeugs informieren
- Leichtsinniges Verhalten vermeiden, das Einbrüche erst ermöglicht
- Wertgegenstände nicht sichtbar im Fahrzeug liegen lassen
Die Hauptzeit für Einbrüche in Campingfahrzeuge beginne jetzt mit der wärmeren Jahreszeit, warnt der Experte. In den Wintermonaten stünden die Fahrzeuge meist sicher in Hallen, doch mit Beginn der Reisesaison steige das Risiko deutlich an.



