Canal+ setzt 600 Filmschaffende auf schwarze Liste nach Petition gegen Bolloré
Canal+ setzt 600 Filmschaffende auf schwarze Liste

In Frankreich entbrennt ein heftiger Kulturkampf um die Zukunft des nationalen Kinos. Anfang der Woche, zur Eröffnung der Filmfestspiele von Cannes, hatten über 600 Filmschaffende via die Zeitung „Libération“ eine Petition gegen den rechtsstehenden Industriellen Vincent Bolloré unterzeichnet. Bolloré hat über die vergangenen Jahre ein weitreichendes Medienimperium aufgebaut, das bis in das Entertainmentkonglomerat Canal+ reicht. Auf der Liste der Unterzeichner finden sich prominente Namen wie die Schauspielerinnen Juliette Binoche und Adèle Haenel sowie Regisseure wie Raymond Depardon und Dominik Moll.

In der Erklärung heißt es: „Wenn wir das französische Kino in die Hände eines rechts außen stehenden Besitzers geben, riskieren wir nicht nur die Vereinheitlichung von Filmen, sondern eine faschistische Übernahme der kollektiven Vorstellungskraft.“ Die Spitze von Canal+ reagierte umgehend. CEO Maxime Saada erklärte, dass man künftig nicht mehr mit den Künstlerinnen und Künstlern zusammenarbeiten werde, die das Statement gegen Bolloré unterzeichnet haben. Die Petition sei ungerecht gegenüber den Canal+-Teams, die in ihrem Schaffen stets um Unabhängigkeit bemüht gewesen seien.

Bollorés Einfluss auf die Medienlandschaft

Ob dies bei einem wachsenden Einfluss von Bolloré so bleiben wird, ist aus Sicht vieler Beobachter fraglich. Bolloré kontrolliert inzwischen ein weitverzweigtes Mediennetzwerk, das unter anderem den Radiosender Europe 1 und den Fernsehsender CNews umfasst. CNews geriet zuletzt in die Schlagzeilen, da dort nach Ansicht von Kritikern rassistische Meinungen verbreitet werden. Erst im vergangenen Monat eröffnete die Staatsanwaltschaft in Paris Untersuchungen aufgrund mutmaßlich rassistischer Kommentare.

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Könnte Canal+ eine ähnliche Richtung einschlagen?

Das Konglomerat ist einer der größten Geldgeber für europäische Produktionen; die Tochtergesellschaft StudioCanal zählt zu den einflussreichsten Produktionsgesellschaften des Kontinents. Sie ist sowohl im Kino- als auch im Serienbereich aktiv, ihr Katalog umfasst das Amy-Winehouse-Biopic „Back to Black“ oder den Familienfilm „Paddington in Peru“. Zudem verfügt Bolloré über eine eigene Kinokette. Daraus schließen die Unterzeichner der Petition, dass der Medientycoon nun in der Lage sei, die gesamte Produktionskette von Filmen zu kontrollieren – von der Finanzierung über die Produktion bis zur Ausspielung.

In französischen Medien wird der 72-jährige Bolloré, erzkatholisch und laut Medien elf Milliarden Euro schwer, oft als französischer Rupert Murdoch beschrieben. Wie der australischstämmige Medienunternehmer setze er über die zu seinem Reich gehörenden Medien seine politische Agenda um. In der Petition gegen Bolloré ist von einem großen rechten Projekt die Rede, das er nicht nur über Kino und Rundfunk, sondern auch über die von ihm kontrollierten Verlagshäuser durchsetze. Zuletzt investierte Bolloré in den traditionsreichen Literaturverlag Grasset, woraufhin 115 Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Protest gegen die vermutete Einflussnahme des Geschäftsmannes ihren kollektiven Abschied ankündigten. In einem Statement schrieben sie damals: „Wir wollen keine Geiseln in einem ideologischen Krieg sein, der den Autoritarismus in der Kultur und in den Medien verbreiten will.“ Zu den Unterzeichnern zählten bekannte Namen wie Virginie Despentes, Frédéric Beigbeder und Bernard-Henri Lévy.

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