Drogenrückstände im Abwasser: Reaktionen und Konsequenzen in Mecklenburg-Vorpommern
Die Untersuchung von Abwasserproben auf Drogenrückstände stellt ein wichtiges Instrument dar, um sich dem tatsächlichen Drogenkonsum in einer Region anzunähern. In Städten der Seenplatte wie Neubrandenburg und Neustrelitz haben die Ergebnisse dieser Analysen zu deutlichen Reaktionen geführt.
Öffentliche Reaktionen auf die Abwasseranalysen
Schock, Ratlosigkeit und Entsetzen – so ließen sich die öffentlichen Reaktionen auf die Berichterstattung zu den Drogenrückständen im Abwasser zusammenfassen. Gleichzeitig wurden vermehrt Forderungen nach verstärkten Gegenmaßnahmen laut. Die Aussagekraft der Analyseergebnisse wurde dabei jedoch kaum öffentlich diskutiert.
Birgit Grämke, Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen in Mecklenburg-Vorpommern, forderte im vergangenen November: „Wir müssen dringend mehr tun, um Leben zu retten.“ Auch in Neustrelitz zeigte man sich alarmiert. Bürgermeister Andreas Grund betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Die jüngere Generation probiert alles aus, ohne Hemmungen. Wir müssen ihnen begreiflich machen, dass Drogen gefährlich sind.“
Konkrete Maßnahmen und finanzielle Mittel
Aus dem Schweriner Gesundheits- und Sozialministerium hieß es, dass die Maßnahmen zur Suchtprävention nach der Abwasseranalyse deutlich erweitert worden seien. Zusätzliche Mittel in Höhe von rund 280.000 Euro wurden bereitgestellt. Damit wird unter anderem die Ausbildung von 50 neuen Suchtpräventionskräften im Land finanziert, von denen die ersten ihre Weiterbildung bereits abgeschlossen haben.
In Neubrandenburg sagte Vize-Oberbürgermeister Peter Modemann 2023 zu diesem Thema: „An den Ergebnissen gibt es keine Zweifel. Das Drogenproblem ist nicht neu und geht auch nicht an Neubrandenburg vorbei.“ Für den aktuellen Haushalt wurden 100.000 Euro für kommunale Präventionsarbeit neu eingestellt. Oberbürgermeister Nico Klose erklärte: „Diese Summe wollen wir jetzt mit Leben füllen, mit Maßnahmen, die auch etwas bringen.“
Methodische Grenzen und kritische Stimmen
Hans-Jürgen Schwanke, Stadtvertreter und Vorsitzender des Sicherheitsausschusses in Neubrandenburg, äußerte sich skeptisch: „Ich halte das nicht für wahrhaftig“, sagte er und bezweifelte den Vergleich mit Großstädten und Drogenhochburgen wie Amsterdam. Auch die bayerische Landesregierung hatte 2021 regelmäßigen Abwasseruntersuchungen „aufgrund der methodischen Unsicherheiten und begrenzten Aussagekraft“ eine Absage erteilt.
Die regelmäßige Untersuchung von Abwasser nach Drogenrückständen bleibt aus Expertensicht dennoch ein wichtiges Instrument bei der Drogenbekämpfung. Die Ergebnisse ergänzen Daten der Suchtberatung, Kriminalitätsstatistik und persönlicher Befragungen. Sie zeigen, wo welche Drogen in welcher Menge vorkommen, können Trends aufzeigen und Entwicklungen sichtbar machen.
Geplante Diskussionsveranstaltung in Neustrelitz
Der Lionsclub in Neustrelitz plant unter dem Titel „Cannabis und Jugendschutz – Suchtprävention in unserer Region“ eine Diskussionsrunde. Am 19. März soll es ab 19 Uhr in der Aula des Carolinums um „Fakten, Herausforderungen und Ideen“ zum Thema Cannabis in der Seenplatte gehen.
Dr. Annette Viktoria Hinze, Apothekerin und Referentin im Bundesgesundheitsministerium, wird einen „nichtjuristischen Blick“ auf die aktuelle Entwicklung der Cannabis-Legalisierung werfen. Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum, spricht über „Cannabis-Legalisierung und Drogensucht – Status in unserer Region aus medizinischer Sicht“. Eine Diskussionsrunde mit Vertretern aus dem öffentlichen Leben schließt die Veranstaltung ab.
Die Abwasseranalysen erhellen das Drogenproblem statistisch, was überraschen und auch schockieren kann. Doch diese Zahlen können keine Drogenpolitik machen, keine Einzelfälle erklären und auch keine konkreten Hinweise auf Gegenmaßnahmen liefern. Sie sollten weiter möglichst flächendeckend, regelmäßig und einheitlich erhoben und ausgewertet werden – als sinnvolle Hilfe für alle, die mit Prävention, Hilfe und Kontrolle zu tun haben.



