Ermittlungen nach Verurteilung: Rentner Ingo B. im Fokus bei ungeklärtem Mord
Vor drei Wochen fiel das Urteil: Lebenslange Haft für den 68-jährigen Rentner Ingo B. aus Hameln. Das Landgericht Hannover verurteilte ihn wegen Raubmordes und stellte die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Entlassung nahezu ausschließt. Doch die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Nach aktuellen Informationen prüfen die Behörden nun, ob B. möglicherweise noch ein weiteres Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Ungelöster Mordfall an Unternehmer Walter Schütte
Seit Wochen beschäftigen sich die Ermittler mit möglichen Verbindungen zwischen Ingo B. und dem bis heute ungelösten Mord an Walter Schütte (†71). Der Unternehmer und Vermieter aus Hameln in Niedersachsen wurde am 30. April 2020 tot in seinem Haus aufgefunden, nachdem er eine Verabredung nicht wahrgenommen hatte. Ein Freund und seine frühere Lebensgefährtin betraten die Wohnung mit einem Zweitschlüssel und entdeckten ihn im Gästezimmer – niedergestreckt mit einem Kopfschuss.
Neben dem Opfer lag ein Knüppel, den Schütte stets zur Sicherheit bereithielt. Ein Wandtresor und zahlreiche Schlüsselbunde wurden gefunden, doch der oder die Täter konnten den Tresor offenbar nicht öffnen. Laptop, Geldbörse und eine Bargeldtasche fehlten. Spuren waren rar, und ein klares Motiv ist bis heute nicht erkennbar. Der Unternehmer galt als eigenwillig, aber hilfsbereit: Er vermietete Häuser und Wohnungen, restaurierte VW-Bullis und Traktoren, verlieh Geld und zahlte oft bar. Brisant ist, dass Ingo B. und Walter Schütte sich persönlich gekannt haben sollen.
Auffällige Parallelen zwischen den Mordfällen
Die Brutalität im Mordfall Walter Schütte weist Parallelen zu einer Tat im Sommer 2025 in einem Schrebergarten in Hameln auf: Ingo B. tötete dort seinen Freund, den Kleingärtner Ralf W. (63), mit einem gezielten Genickschuss und flüchtete mit dessen Geldbörse. Drei Wochen später soll der Täter auch eine Bekannte mit K.-o.-Tropfen betäubt und ihr 500 Euro sowie Schmuck geraubt haben.
Die Staatsanwaltschaft will sich zur Prüfung von Parallelen zwischen den beiden Mordfällen derzeit nicht äußern. Staatsanwältin Karin Söfker bestätigte jedoch auf Anfrage, dass gegen B. noch ein weiteres Ermittlungsverfahren läuft: „Ich kann bestätigen, dass wir wegen sexuellen Missbrauchs von drei Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren gegen ihn ermitteln.“
Ermittlungen und öffentliche Aufmerksamkeit
Der Mord an Walter Schütte erregte bereits Anfang 2021 öffentliche Aufmerksamkeit, als in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ nach dem Killer gefahndet wurde. Die aktuellen Ermittlungen konzentrieren sich nun auf mögliche Verbindungen zu Ingo B., dessen Verurteilung erst kürzlich rechtskräftig wurde. Die Behörden arbeiten daran, die Umstände beider Fälle detailliert zu analysieren und eventuelle Zusammenhänge aufzudecken.
Die Ermittlungen sind komplex, da sowohl im Fall Schütte als auch bei den anderen Vorwürfen gegen B. klare Motive und Spuren fehlen. Die Staatsanwaltschaft betont die Wichtigkeit einer gründlichen Prüfung, um mögliche weitere Taten des verurteilten Rentners aufzuklären und Gerechtigkeit für alle Opfer zu gewährleisten.



