Berlin – Ein neuer Bürokratie-Hammer aus Brüssel sorgt für Aufregung: Wegen verschärfter EU-Regeln gegen sogenanntes Greenwashing könnten Millionen von Alltagsprodukten in deutschen Supermärkten ab Herbst 2026 problematisch werden – obwohl ihr Inhalt und ihre Qualität einwandfrei sind. Davor warnt ein internes Memo des Markenverbands, das der Bild-Zeitung vorliegt. Grundlage ist die EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (Verbraucher stärken für den grünen Übergang).
Welche Produkte sind betroffen?
Betroffen wären unter anderem Kaffee, Waschmittel, Shampoo, haltbare Lebensmittel und Babynahrung. Greenwashing bezeichnet den Versuch von Unternehmen, Produkte durch vage Begriffe wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ als nachhaltiger darzustellen, als sie tatsächlich sind. Die neuen Regeln bedeuten, dass Produkte, die heute völlig legal hergestellt werden, ab dem 27. September 2026 plötzlich rechtlich angreifbar sein könnten – allein wegen veralteter Umweltwerbung auf der Verpackung.
Strengere Vorschriften ab September
Ab dem 27. September gelten europaweit strengere Vorschriften für Umwelt- und Nachhaltigkeitswerbung auf Verpackungen. Unternehmen müssen diese Aussagen dann detailliert belegen, und Nachhaltigkeitssiegel werden stärker reguliert. Der Markenverband beklagt, dass dies zu noch mehr Bürokratie führe. Das Hauptproblem: Millionen von Verpackungen sind bereits produziert und eingelagert. Viele Produkte werden Monate oder sogar Jahre im Voraus hergestellt, verpackt und gelagert. Die EU-Richtlinie, die eigentlich Nachhaltigkeit fördern soll, könnte am Ende selbst mehr Müll produzieren.
Markenverband warnt vor Müllchaos
Markenverbands-Chef Patrick Kammerer (62) sagte der Bild: „Am Ende könnten völlig brauchbare Produkte im Müll landen – nur weil sich Regeln auf der Verpackung ändern.“ Eine Alternative wäre, die Produkte neu zu verpacken oder zu überkleben, doch das wäre mit enormem Aufwand und immensen Kosten verbunden. Laut Insidern habe die EU-Kommission nationale Behörden zwar aufgefordert, die Regeln „mit Augenmaß“ durchzusetzen, doch in Deutschland sei dies oft nur begrenzt hilfreich. Einige Handelsketten verlangen bereits ab Juni – lange vor dem offiziellen Termin – neue Verpackungen.
Der Vorstoß der EU stößt bei Verbänden auf breite Kritik. Die Richtlinie solle Verbraucher schützen, schaffe aber ein gigantisches Müll- und Bürokratiechaos. Es bleibt abzuwarten, ob die EU-Kommission noch Nachbesserungen vornimmt oder die Umsetzung in den Mitgliedstaaten zu einem Flickenteppich führt.



