Alarmierende Zunahme von Angriffen auf Medienschaffende in Deutschland
Journalisten und Medienvertreter sind in Deutschland zunehmend politisch motivierter Gewalt ausgesetzt, wobei die Hauptstadt Berlin einen besonders besorgniserregenden Schwerpunkt bildet. Laut aktuellen Statistiken des Bundeskriminalamtes (BKA) ereigneten sich fast die Hälfte aller registrierten Fälle in der Bundeshauptstadt. Diese Entwicklung wirft ernste Fragen zum Schutz der Pressefreiheit auf.
Berlin als Brennpunkt der Gewalt gegen Journalisten
Im Zeitraum vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 verzeichnete das BKA bundesweit 818 Straftaten mit dem Angriffsziel „Medien“. Davon fanden 406 Fälle, also knapp 50 Prozent, in Berlin statt. Besonders gravierend ist die Situation bei Gewalttaten: Von insgesamt 89 bundesweit registrierten Gewaltdelikten gegen Medienschaffende wurden allein 51 in der Hauptstadt gezählt.
Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die die „Rheinische Post“ berichtete. Das Dokument wurde kürzlich vom Bundestag veröffentlicht und liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor.
Demonstrationen als häufiger Tatort
Vor allem bei Demonstrationen kommt es regelmäßig zu Angriffen auf Medienvertreter. Das BKA erfasste in dem genannten Zeitraum bundesweit 211 Straftaten mit dem Angriffsziel „Medien“ im Zusammenhang mit Protestkundgebungen – davon 110 in Berlin. Die Hauptstadt ist aufgrund des Sitzes der Bundesregierung ein häufiger Schauplatz politischer Proteste, was die Gefährdungslage für Journalisten dort zusätzlich verschärft.
Die Straftaten umfassen ein breites Spektrum: von Bedrohungen und Sachbeschädigungen bis hin zu Körperverletzungen. Viele Medienschaffende geraten dabei gezielt in den Fokus von Angreifern.
Politische Motivation der Täter
Von den insgesamt 818 Straftaten deutschlandweit ordnet die Polizei rund ein Drittel – insgesamt 244 Delikte – dem rechten Spektrum zu. 78 Fälle werden dem linken Spektrum zugerechnet, während hinter 153 Fällen eine ausländische Ideologie vermutet wird. Bei 31 Delikten sehen die Behörden eine religiöse Motivation, und weitere 312 Fälle laufen unter der Kategorie „sonstige Zuordnung“.
Die Zahlen wurden mit Stichtag 31. Dezember 2025 von den Bundesländern an das Bundeskriminalamt gemeldet und zeigen ein komplexes Bild der Bedrohungslage.
Deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2023
Im Vergleich zum Jahr 2023 ist ein spürbarer Anstieg der Straftaten gegen Journalisten zu verzeichnen. Rechnet man die Zahl der Delikte vom 1. April 2024 bis zum 30. November 2025 hoch, kommt man im Durchschnitt auf knapp 41 Fälle pro Monat. Für das Jahr 2023 wurden dagegen nur etwa 290 Fälle ausgewiesen, was rund 24 pro Monat entspricht.
David Schliesing, medienpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, zeigte sich alarmiert: „Das Ausmaß an gewalttätigen Übergriffen und Straftaten gegen Medienschaffende erreicht ein erschreckend hohes Niveau. Bund und Länder müssen umgehend aktiv werden und deutlich mehr für den Schutz journalistischer Arbeit tun.“
Besorgnis bei Reporter ohne Grenzen
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hatte erst vergangene Woche Einschüchterung und Gewalt gegen Journalisten in Deutschland beklagt. In ihrem Bericht „Nahaufnahme“ zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland wird auch eine zunehmende Delegitimierung journalistischer Arbeit als große Bedrohung für den Journalismus beschrieben.
RSF dokumentierte und verifizierte für das Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Medienschaffende und Redaktionen. Im Vorjahr lag die Zahl bei 89, was auf eine weiterhin angespannte Situation hinweist. Die Organisation betont, dass viele Reporter diese Entwicklungen als existenzielle Gefahr für ihre Arbeit und die Pressefreiheit insgesamt wahrnehmen.
Die aktuellen Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Journalisten zu ergreifen, insbesondere in Berlin, wo die Bedrohungslage besonders ausgeprägt ist.



