Neuer Zuständigkeitsstreit im Fall Fernandes gegen Ulmen
Die Staatsanwaltschaft Itzehoe in Schleswig-Holstein will die Ermittlungen gegen Schauspieler und Produzent Christian Ulmen (50) an die Behörden in Potsdam abgeben. Dies bestätigte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow der Deutschen Presse-Agentur. Hintergrund ist die Strafanzeige von Moderatorin und Ex-Partnerin Collien Fernandes (44), die Ulmen der sogenannten virtuellen Vergewaltigung beschuldigt.
Hinweise auf mögliche Tatorte in Brandenburg
„Wir haben die Akten der Staatsanwaltschaft in Potsdam mit der Bitte um Übernahme des Verfahrens übersandt“, erklärte Oberstaatsanwalt Müller-Rakow. „Da sich durch die hiesige Prüfung bezüglich der vorgeworfenen Handlungen Hinweise auf mögliche Tatorte im dortigen Bezirk ergeben haben.“ Das Paar hatte vor dem Umzug nach Mallorca im Jahr 2023 in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam gelebt. Konkrete Angaben zu den Tatort-Hinweisen machte der Oberstaatsanwalt jedoch nicht.
Müller-Rakow betonte, dass dieser Schritt nicht bedeute, dass das Verfahren eingestellt sei. Die Staatsanwaltschaft Potsdam müsse das Ersuchen aus Itzehoe nach Eingang prüfen. „Eine Prüfung kann in beide Richtungen ausgehen“, so der Oberstaatsanwalt. Eine Sprecherin der Potsdamer Staatsanwaltschaft erklärte, die Dauer der Prüfung sei unklar, da noch nicht bekannt sei, wie umfangreich das Verfahren ist. Die Papierakten seien bisher noch nicht in Potsdam eingegangen.
Vorwürfe der virtuellen Vergewaltigung über zehn Jahre
Die Behörden in Deutschland hatten ihre zwischenzeitlich eingestellten Ermittlungen nach einem Bericht des „Spiegel“ wieder aufgenommen, in dem Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner erhoben hatte. Die Moderatorin hatte im November 2024 in Berlin zunächst Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut ihrer Aussage erfuhr sie erst später durch ein Geständnis von Ulmen selbst, dass er hinter Fake-Profilen in ihrem Namen steckt.
Mit diesen Profilen soll Ulmen pornografische Darstellungen verbreitet und sogar Männer aus ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert haben. Die 44-Jährige wirft ihm „virtuelle Vergewaltigung“ vor. „Das ganze Spiel wurde über 10 Jahre lang durchgezogen“, schrieb Fernandes in einer Erklärung auf Instagram. Sie zeigte Ulmen schließlich in der Wahlheimat des Paares in Spanien an.
Rechtliche Entwicklungen und Unschuldsvermutung
Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte an, gegen die „initiale Berichterstattung“ des „Spiegel“ gerichtliche Schritte einzuleiten. Das Paar war 14 Jahre lang verheiratet und hat eine gemeinsame Tochter. Die erneute Prüfung der Zuständigkeit zwischen den Staatsanwaltschaften Itzehoe und Potsdam zeigt die Komplexität des Falls, der sich über mehrere Bundesländer und einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt erstreckt.
Die Entscheidung der Potsdamer Staatsanwaltschaft wird nun mit Spannung erwartet, da sie den weiteren Verlauf der Ermittlungen maßgeblich beeinflussen wird. Beobachter erwarten, dass die Prüfung mehrere Wochen in Anspruch nehmen könnte, bevor eine endgültige Entscheidung über die Zuständigkeit getroffen wird.



