Urteil gegen „Ikea-Kartell“ in Freiburg
Das Amtsgericht Freiburg hat fünf Angeklagte im Alter von 26 bis 46 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die Gruppe, die sich selbst als „Ikea-Kartell“ bezeichnete, hatte über Jahre hinweg Waren im Wert von rund 130.000 Euro aus der Freiburger Ikea-Filiale gestohlen.
Tatablauf und Beteiligte
Im Zentrum des Geschehens stand eine 50-jährige ehemalige Kassiererin, die ihre Komplizen ungehindert passieren ließ, ohne die Waren zu bezahlen. Die Beute wurde im Internet weiterverkauft oder auf Bestellung beschafft. Darunter befanden sich Möbel, Lampen, Regale, Esstische und Stühle. In einigen Fällen behielt die Kassiererin Kundenbelege ein, sodass Komplizen die Artikel mitnehmen und später gegen Erstattung zurückgeben konnten.
Die Bande handelte von Februar 2019 bis Januar 2023. Insgesamt wurden 15 Tatbeteiligte und mehr als 150 Diebstahlhandlungen ermittelt. Die Polizei fand bei Durchsuchungen Dutzende verpackte Artikel sowie Wohnungen, die größtenteils mit hochwertiger Ikea-Ware ausgestattet waren.
Gerichtsverhandlung und Urteil
Das Verfahren gegen die Hauptangeklagte wurde abgetrennt, da sie krankgeschrieben war. Die übrigen fünf Angeklagten erhielten Strafen zwischen einem Jahr und vier Monaten und zwei Jahren auf Bewährung. Dem Urteil war eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen, die Geständnisse der Angeklagten voraussetzte.
Ermittlungen und Konsequenzen
Ikea hatte bereits 2021 Verdacht geschöpft und Privatdetektive eingesetzt. Diese fingierten Teppichkäufe im Internet, um die Kassiererin zu überführen. Ende 2022, einen Tag vor Heiligabend, erstattete Ikea Anzeige. Die Polizei stellte nicht nur Waren sicher, sondern deckte auch ein Netzwerk von Auftraggebern auf, von denen einige nichts von der Illegalität wussten, andere jedoch der Hehlerei verdächtigt werden. Separate Verfahren gegen Mitarbeiter der Logistikabteilung laufen noch.
Die Polizei betonte, dass die Bande oft weniger als den Verkaufspreis für die gestohlenen Waren verlangte. Besonders begehrt waren Kommoden, sodass die Kassiererin zeitweise einen Mitnahmestopp verhängte. Ikea selbst äußerte sich nicht zu dem Fall. Kameraüberwachung im Kassenbereich gab es damals nicht, doch Inventurdifferenzen waren auffällig: 2022 verzeichnete die Filiale den höchsten Fehlwert deutschlandweit.



