Geheim-App gegen Gewalt: Bundesregierung startet verdeckte Dokumentationshilfe für Opfer
Geheim-App gegen Gewalt: Verdeckte Hilfe für Opfer

Geheim-App gegen Gewalt: Bundesregierung startet verdeckte Dokumentationshilfe für Opfer

Als Reaktion auf aktuelle Studien hat Innenminister Alexander Dobrindt (55, CSU) eine besondere Initiative angekündigt: „Wir entwickeln eine sogenannte Tarn-App weiter.“ Diese spezielle Handy-Applikation soll es Opfern von Gewalttaten ermöglichen, Übergriffe verdeckt zu dokumentieren – selbst wenn die Taten erst zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verhandelt werden.

Versteckte Funktionen für maximale Sicherheit

Die getarnte App wird Opfern in Frauenhäusern und bei der Polizei zur Verfügung gestellt; in den öffentlichen App-Stores ist sie bewusst nicht erhältlich. Ein entscheidender Grund: Täter, die häufig einen ausgeprägten Kontrollzwang gegenüber ihren Opfern haben, sollen die App nicht entdecken können. Deshalb sind die Zugänge in unauffälligen Oberflächen verborgen, die wie normale Alltagsanwendungen aussehen.

Innerhalb der versteckten App können Betroffene:

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  • Fotos von Verletzungen aufnehmen
  • Videos oder Tonaufnahmen von Prügelattacken speichern
  • Gewaltandrohungen dokumentieren
  • Alle Beweise gerichtsfest hochladen

Zusätzlich bietet die App einen Hilfebereich mit Notrufnummern von Polizei, einer 24-Stunden-Hotline und einem umfangreichen Beratungsstellenfinder für schnelle Unterstützung.

Unzureichende Kapazitäten in Frauenhäusern

Bund und Länder unterhalten bereits heute mehr als 380 Schutzeinrichtungen, darunter Frauenhäuser und Schutzwohnungen, für gewaltbetroffene Frauen mit ihren Kindern. Diese bieten rund 7.800 Plätze für Frauen und Kinder. Im Jahr 2022 haben diese Einrichtungen etwa 30.000 Personen aufgenommen, darunter 14.000 Frauen mit rund 16.000 Kindern.

Familienministerin Karin Prien (CDU) sagte dazu am Dienstag deutlich: „Die traurige Wahrheit ist: Das reicht bei weitem noch nicht aus!“ Die Bundesregierung reagiert auf diese Problematik mit neuen Programmmitteln in Höhe von 50 Millionen Euro für die Sanierung von Frauenhäusern und unterstützt die Länder damit zusätzlich beim Ausbau des Hilfesystems.

Besondere Betroffenheit bei Menschen mit Migrationshintergrund

Eine besondere Herausforderung zeigt sich bei Menschen mit Migrationshintergrund: Sie sind den Angaben zufolge stärker von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner betroffen als Menschen ohne Zuwanderungsgeschichte. In den vergangenen fünf Jahren haben 7,6 Prozent der Frauen und 7,4 Prozent der Männer mit Migrationshintergrund körperliche Gewalt innerhalb der Partnerschaft oder durch Ex-Partner erlebt.

Zum Vergleich: Bei Menschen ohne Migrationshintergrund waren in diesem Zeitraum 4,3 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer betroffen. BKA-Präsident Holger Münch erklärt diesen Unterschied teilweise mit dem niedrigeren Altersdurchschnitt der Frauen mit Migrationshintergrund, da Jüngere insgesamt häufiger Gewalt erlebten.

Mehrsprachige Unterstützung und Hilfetelefon

Ein zentraler Aspekt der neuen Maßnahmen ist das Hilfe-Telefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116016, das kostenlose Beratung bietet. Dieser wichtige Dienst wird in 18 verschiedenen Sprachen angeboten, um möglichst viele Betroffene erreichen zu können.

Die Kombination aus technischer Innovation durch die Tarn-App, finanzieller Unterstützung für Frauenhäuser und mehrsprachigen Beratungsangeboten soll das Hilfesystem für Gewaltopfer in Deutschland deutlich verbessern und Betroffenen schnelleren Schutz ermöglichen.

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