In Mecklenburg-Vorpommern stehen gleich mehrere Schlüsselpositionen bei der Polizei vor einer Neubesetzung. Das Innenministerium in Schwerin hat derzeit große personelle Baustellen zu bewältigen. Für beide Polizeipräsidien des Landes werden neue Chefs gesucht, die für tausende Polizisten die Vorgesetzten sein werden. Die Gewerkschaft hat dazu klare Vorstellungen geäußert.
Neubrandenburger Präsident wechselt nach Schwerin
Die Gründe für die Neubesetzungen sind unterschiedlich. Der Posten des Polizeipräsidenten in Neubrandenburg schien eigentlich langfristig besetzt. Arne Wurzler hatte das Amt im Juli 2025 übernommen. Mit 49 Jahren war er bei seiner Ernennung noch weit von der Altersgrenze für Beamte entfernt und galt als gute und langfristige Lösung. Innenminister Christian Pegel (SPD) lobte damals seine „breite fachliche Expertise, langjährige Führungserfahrung und ein hohes Maß an Verlässlichkeit“. Doch am 13. April erklärte das Innenministerium überraschend, dass Wurzler ab sofort die Leitung des Landesamtes für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern (LPBK) übernimmt. Dies erfolgte, wie es aus Polizeikreisen heißt, auf eigenen Wunsch und aus privaten Gründen. Das Ministerium erklärte: „Der Dienstposten Polizeipräsident ist daher derzeit faktisch frei, wenn auch der Polizeipräsident nach wie vor in diesen Dienstposten eingewiesen ist.“ Für die dauerhafte Besetzung müssen die Stellen neu ausgeschrieben werden. Die Bewerbungsverfahren starteten am 27. April.
Übergangsweise Führung in Neubrandenburg
Im Neubrandenburger Polizeipräsidium werden die Geschäfte derzeit übergangsweise von Gunnar Mächler geführt, der zuvor als Leiter des Führungsstabes Stellvertreter von Wurzler war. Allerdings steht auch Mächler kurz vor der Pension, sodass bald ein Nachfolger für ihn gefunden werden muss. Zudem muss die Vergabe des Präsidentenpostens an Wurzler rückabgewickelt werden. Da es sich um ein Beamtenverhältnis auf Probe handelt, soll die Probezeit nun vorzeitig beendet werden.
Rostocker Posten ab Dezember neu zu besetzen
Auch für das Polizeipräsidium Rostock wird ein neuer Chef oder eine neue Chefin gesucht. Der Dienstposten ist zum 1. Dezember 2026 neu zu besetzen. Derzeit wird er von Anja Hamann bekleidet, die am 1. Januar 2022 als erste Polizeipräsidentin in MV ihr Amt antrat. Hamann ist Jahrgang 1965 und könnte auf eigenen Antrag in den Ruhestand versetzt werden, da sie das 60. Lebensjahr vollendet hat.
Einfluss der Landtagswahl möglich
Nach den laufenden Auswahlverfahren wird voraussichtlich die Staatskanzlei in die finalen Entscheidungen eingebunden, wie es auch bei der Besetzung des Neubrandenburger Postens im vergangenen Jahr der Fall war. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) könnte dabei ein Wort mitreden. Da sie sich im Wahlkampf befindet, könnte es sein, dass endgültige Entscheidungen erst nach der Landtagswahl Ende September fallen, denn Personalien können schnell politisch brisant werden.
Weitere Personalie: Neue Direktorin der Wasserschutzpolizei
Eine andere Stelle ist inzwischen besetzt: Antje Finnern wurde am 17. März zur Direktorin des Landeswasserschutzpolizeiamtes ernannt. Sie folgt auf Lutz Müller, der Inspekteur der Polizei wurde. Allerdings ist nun die Leitung der Polizeiinspektion Neubrandenburg frei, die Finnern zuvor innehatte. Das Ministerium betont, dass die Nachbesetzung bereits läuft.
Staatssekretär mit Polizei-Kenntnissen
Innenminister Pegel hat mit Dr. Christian Frenzel (SPD) einen Kenner der Landespolizei als Staatssekretär an seiner Seite, was bei den anstehenden Personalentscheidungen hilfreich sein könnte. Frenzel, der zuvor als Polizeibeauftragter Bedenken gegen eine Turbobeförderung geäußert hatte, war selbst in die Kritik geraten, als er zum Staatssekretär ernannt wurde.
Gewerkschaft fordert transparentes Verfahren
Die neue Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in MV, Kristin Frosch, äußerte konkrete Vorstellungen: „Wir wünschen uns ein faires und transparentes Verfahren. Eine zügige Besetzung der Posten ist notwendig, um einen geordneten Übergang und einen Wissenstransfer durchzuführen, gerade weil diese besonders hohen Posten großen Einfluss auf alle Ebenen der Polizei haben.“



