Die Berliner Polizei hat einen bedeutenden Schlag gegen eine mutmaßliche Schutzgeld-Erpresserbande geführt. Rund 570 Polizisten, darunter Spezialeinheiten, durchsuchten am frühen Morgen 28 Wohnungen und Geschäftsräume. Neun Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren wurden festgenommen, gegen fünf von ihnen lagen Haftbefehle vor. Ihnen wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Ermittlungseinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts (LKA) hatte monatelang gegen die Gruppe ermittelt. Die Bande steht im Verdacht, für zahlreiche Erpressungen mit Schusswaffengebrauch in der Vergangenheit verantwortlich zu sein. Die Polizei beschlagnahmte Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe, Waffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Fahrzeuge sowie Datenträger und Mobiltelefone.
Beteiligte Kräfte und Durchsuchungsorte
An den Razzien in Neukölln und Kreuzberg waren Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Berlin und anderen Bundesländern sowie die GSG 9 der Bundespolizei beteiligt. Auch Polizeikräfte aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Hundeführer, Finanzermittler und Digitalforensiker kamen zum Einsatz. Die Festgenommenen werden einem Richter vorgeführt.
Polizeipräsidentin: „Wichtiger Tag für die Strafverfolgung“
Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte: „Wir setzen alles daran, diese Täterstrukturen aufzudecken und der Strafverfolgung zuzuführen. Heute war ein wichtiger Tag. Wir werden gegen derartige Strukturen auch künftig konsequent vorgehen.“ Die Zahl der Schusswaffendelikte in Berlin stieg 2025 um 68 Prozent auf 1.119 Fälle. In 515 Fällen wurde tatsächlich geschossen, die Hälfte der Fälle waren Drohungen.
Zielgruppe der Erpressungen
Die Taten richteten sich vor allem gegen türkische und kurdische Ladeninhaber und Restaurantbesitzer. Die Täter schossen auf Scheiben und Fassaden. In manchen Fällen wurden Männer in die Beine geschossen – im kriminellen Milieu eine Warnung für säumige Zahler. Die Polizei ordnet viele Taten der organisierten Kriminalität zu, darunter Revierkämpfe und Auseinandersetzungen.
Innensenatorin: „Volle Härte des Rechtsstaats“
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, die Sondereinheit „Ferrum“ habe den Einsatz über Monate intensiv vorbereitet. „Wer mit Waffen unsere Straßen unsicher macht, bekommt die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren.“ Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) kündigte an, die kriminellen Strukturen weiter gezielt zu bekämpfen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine spezielle Ermittlungsgruppe „Telum“ eingerichtet.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte mehr Befugnisse zur Handyüberwachung, Datenspeicherung und modernen Softwareauswertung, um die Aufklärung zu verbessern.



