Hannover erlebt zweite Messerattacke innerhalb von 24 Stunden
Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover wurde am Wochenende von zwei schweren Messerattacken erschüttert, die sich innerhalb von nur 24 Stunden an Haltestellen der Stadtbahn-Linie 4 ereigneten. Die Gewalttaten haben die Sicherheitsdebatte in der Stadt neu entfacht.
Erster Angriff: Teenager attackiert Mädchen – Helfer wird niedergestochen
Bereits am Freitagabend um 21:10 Uhr kam es an einer Haltestelle der Linie 4 zu einem ersten gewalttätigen Vorfall. Ein 17-jähriger Jugendlicher attackierte dort ein Mädchen. Ein an der Haltestelle wartender Mann (32) wollte den Übergriff verhindern und bezahlte seine Zivilcourage beinahe mit dem Leben. Der Jugendliche zog ein Messer und stach den Schlichter nieder.
Ein Polizeisprecher bestätigte gegenüber Medien: „Der Helfer wollte verhindern, dass die Jugendliche weiter malträtiert wird.“ Die beteiligten Jugendlichen sollen sich gekannt haben. Der verletzte Helfer wurde mit schweren Stichverletzungen ins Krankenhaus gebracht.
Zweite Attacke am Samstag: Zeugen greifen mutig ein
Nur 24 Stunden später, am Samstagabend gegen 21:10 Uhr, folgte der nächste blutige Messerangriff – wieder an der Stadtbahn, diesmal im Stadtteil Garbsen an der Endhaltestelle Sandstraße. Diesmal gerieten ein 41-jähriger Mann und ein 21-jähriger Mann aneinander.
Die Polizei bestätigte, dass es zwischen den beiden Kontrahenten bereits zuvor eine körperliche Auseinandersetzung gegeben hatte, die von Beamten aufgenommen worden war. Bei einem zufälligen Wiedertreffen an einem bekannten Kiosk eskalierte die Situation: „Nach einem kurzen verbalen Disput zog der 41-Jährige ein Messer und griff den 21-Jährigen an“, heißt es im nüchternen Polizeibericht.
Mutige Zeugen halten Täter mit Fahrradständer fest
Die Lage an dem belebten Treffpunkt in Garbsen entwickelte sich höchst dramatisch. Mehrere Zeugen gingen mutig dazwischen und versuchten, den Angreifer mit einem Fahrradständer von seinem Opfer zu trennen. Anschließend hielten sie den Täter fest, bis die Polizei eintraf und ihn in Gewahrsam nahm.
Die Spurensicherung untersuchte später den Fahrradständer, den die Zeugen als improvisierte Waffe eingesetzt hatten. Beide Opfer der Messerattacken – der 32-jährige Helfer vom Freitag und der 21-jährige Mann vom Samstag – wurden mit schweren Stichwunden von Notärzten versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Sie befinden sich derzeit in einem stabilen Zustand.
Polizeiliche Ermittlungen und Sicherheitsdebatte
Die Tatwaffen beider Angriffe wurden sichergestellt. Der 17-jährige Täter vom Freitag wurde zunächst festgenommen, ob er sich noch in Haft befindet, hat die Polizei nicht beantwortet. Der 41-jährige Täter vom Samstagabend befindet sich in Gewahrsam.
Die belebte Linie 4 in Hannover wird von vielen Studenten und Pendlern genutzt und ist meistens stark ausgelastet – auch am Wochenende. Die beiden Angriffe an unterschiedlichen Haltestellen derselben Linie innerhalb so kurzer Zeit werfen Fragen zur Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr auf.
Sicherheitsexperten raten in ähnlichen Fällen allerdings, dass Beobachter bei Gewaltdelikten nicht eigenmächtig eingreifen sollten, sondern zuerst den Notruf wählen und professionelle Hilfe anfordern sollten. Die mutigen Zeugen in Garbsen handelten jedoch instinktiv und konnten so Schlimmeres verhindern.



