In Rostock sind Schmierereien, Sticker und Schäden allgegenwärtig. Kaum ist etwas erneuert oder beseitigt, ist schon wieder alles beschädigt. Ein Mitarbeiter der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) übersprühte Ende April Schmierereien an einem Versorgungskasten an der Haltestelle Stadthafen. Nicht einmal zwei Wochen später war der Kasten erneut besprüht. Dieses Beispiel zeigt den frustrierenden Kreislauf, mit dem die Stadt täglich konfrontiert ist.
Vielfältige Schmierereien in der Hansestadt
Illegale Graffiti sind ein großes Problem. An der Haltestelle Stadthafen prangen nun erneut Abkürzungen in pinker Farbe, die dem linken Spektrum zugeordnet werden. „ACAB“ steht für „All Cops are Bastards“, „FCK NZS“ für „Fuck Nazis“ und der Zahlencode 161 für „Antifaschistische Aktion“. Neben diesen Codes klebt auch ein Hansa-Sticker auf dem Kasten. Hansa-Schriftzüge sind in Rostock omnipräsent. Im Oktober wurden 100 Gaza-Graffiti an Rostocker Uni-Gebäude gesprüht, als sich der Terrorangriff der Hamas auf Israel jährte. Ende April wurde in Lichtenhagen das Stadtteilbüro der RGS mit „Scheiß Zecken AfD“ besprüht. Der Staatsschutz ermittelt.
Keine Statistik, aber hohe Kosten
Die RSAG führt keine Statistik über Graffiti und Vandalismus. „Das wäre ein recht großer Zeitaufwand, zumal die Aufklärungsquote seitens der Ermittlungsbehörden sehr gering ist“, so RSAG-Sprecherin Beate Langner. Auch städtische Einrichtungen sind betroffen: Schulen, Sporthallen, Spielplätze, Fassaden. Allein an den Schulen entstanden 2024 Kosten von 36.000 Euro durch Graffiti und Glasbruch. Dazu kommen 12.540 Arbeitsstunden für die Beseitigung von Vandalismusschäden. Hunderttausende Euro kostet Rostock das jedes Jahr – Geld, das an anderer Stelle fehlt. Neue Spielplätze im Lindenpark wurden Anfang Oktober eröffnet, doch wenige Wochen später waren erste Vandalismusschäden registriert. Die Stadt spricht von einem „sinnbildlichen“ Problem, das seit Jahren zunimmt.
Anstieg der Graffiti-Fälle um 25 Prozent
Laut Polizeistatistik gab es 2025 insgesamt 890 Graffiti-Fälle, 180 mehr als 2024 (710 Fälle) – ein Anstieg um 25,4 Prozent. Die Aufklärungsquote sank von 8,2 auf 5,7 Prozent. Viele Schmierattacken werden gar nicht erst angezeigt. Die RSAG erklärt, dass sich Vandalismus in den Außenbereich verlagert habe. In Bussen und Bahnen gebe es kaum noch Schäden, da die Fahrzeuge seit 2009/2010 mit Videotechnik ausgestattet sind. Besonders aufwendig ist die Beseitigung von Graffiti auf Werbeflächen von Bahnen: Nach der Entfernung ist die Werbung oft stark beschädigt und muss teilweise erneuert werden – alles in Handarbeit.
Sticker als besonderes Ärgernis
Neben Gebäuden und Straßenbahnen werden auch Verkehrsschilder, Ampeln, Parkscheinautomaten, Brunnen und Sitzbänke beschmiert oder beklebt. Besonders problematisch sind Aufkleber des Fußballvereins Hansa Rostock. „Vandalismus ist ein großes Problem. Leuchten und Maste werden beschädigt, mit Farbe besprüht oder mit Aufklebern beklebt. Insbesondere Aufkleber vom Fußballverein Hansa Rostock sind ein sehr großes Problem“, so ein Stadtsprecher. Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag MV ergänzt: „Die Sticker sind oft so beschaffen, dass sie kaum ablösbar sind. Viele dieser Sticker in MV stehen im Kontext von Hansa Rostock. Es ist ein Ärgernis.“
Suche nach Lösungen
Eine einfache Lösung gibt es nicht. „Beobachten, reagieren, schnell beseitigen und wenn es geht, mit den Verursachern das Gespräch suchen, aber die muss man erst einmal kennen“, so Glaser. In der Bürgerschaft wird aktuell diskutiert, ob weitere legale Sprühflächen im Stadtgebiet ausgewiesen werden können. Ob das hilft, bleibt abzuwarten. Bei Schmierereien handelt es sich um Sachbeschädigung gemäß Paragraf 303 StGB, die mit bis zu zwei Jahren Haft oder Geldstrafe geahndet werden kann. „Das Problem ist der Nachweis, denn eigentlich ist dieser nur möglich, wenn die Tatverdächtigen auf frischer Tat gestellt werden“, erklärt Oberstaatsanwalt Harald Nowack.



