In Tschechien hat die Polizei einen Mann festgenommen, der den Schädel der Heiligen Zdislava aus einer Kirche gestohlen und in Beton eingegossen haben soll. Die Tat ereignete sich während eines Gottesdienstes in der Laurentiuskirche von Jablonne v Podjestedi, etwa 15 Kilometer südlich der sächsischen Grenzstadt Zittau. Der mutmaßliche Täter, ein 35-Jähriger, gab laut Polizei zu, die fast 800 Jahre alte Reliquie entwendet und später in Beton eingegossen zu haben.
Reliquie in Betonblock entdeckt
Mit Spezialtechnik konnten die Ermittler zerstörungsfrei feststellen, dass sich der Schädel tatsächlich in einem massiven Betonblock befindet. Kunstrestauratoren arbeiten nun daran, ihn aus der Verschalung zu befreien. Der Verdächtige erklärte, es sei ihm nicht um Geld gegangen. Er habe die Zurschaustellung menschlicher Überreste abgelehnt und wollte den Schädel in einem Fluss versenken, um ihn in einer privaten Zeremonie zu bestatten.
Ermittlungen und mögliche Strafe
Gegen den 35-Jährigen wird wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Störung der öffentlichen Ordnung ermittelt. Bei einer Verurteilung drohen ihm zwei bis acht Jahre Haft. Der Prager Erzbischof Stanislav Pribyl kündigte an, dass die Reliquie in die nordböhmische Basilika zurückkehren werde. Künftig soll sie mit Panzerglas und einer Alarmanlage geschützt werden, die direkt mit der Polizei verbunden ist. Der Diebstahl war zu Beginn eines Gottesdienstes blitzartig erfolgt.
Heilige Zdislava von Lämberg
Die Heilige Zdislava von Lämberg war eine böhmische Adelige und Gründerin von Klöstern und Spitälern. Sie lebte im 13. Jahrhundert und wurde 1995 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. In Tschechien wird sie als Schutzheilige der Armen und Leidenden verehrt. Im Jahr 2002 wählte die Verwaltungsregion Liberec sie zu ihrer Schutzpatronin.



