Jeffrey Epstein: Zwei Gesichter eines Täters
Die Welt kennt heute zwei grundlegend verschiedene Narrative über Jeffrey Epstein. Das erste zeigt den verurteilten Sexualstraftäter, der 2019 unter mysteriösen Umständen in seiner Gefängniszelle starb. Das zweite porträtiert den gefeierten Finanzgenie der New Yorker High Society, den "talentierten Mr. Epstein", der in den frühen 2000er Jahren die Eliten in seinen Bann zog.
Der Aufstieg eines Betrügers
Epstein baute systematisch ein Bild des unnahbaren Erfolgsmannes auf, der mit Charme und Intelligenz Abhängigkeiten schuf. Das New York Magazine veröffentlichte 2002 noch eine wohlwollende Karikatur von Epstein mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Heute dominiert das Polizeifoto des Sexualstraftäters die öffentliche Wahrnehmung.
Der US-Milliardär Leslie Wexner, Gründer von L Brands mit Marken wie Victoria's Secret, beschrieb sich selbst als "naiv, töricht und leichtgläubig" im Umgang mit Epstein. In einer Stellungnahme an einen Kongressausschuss betonte der 88-Jährige: "Er war ein Betrüger. Und obwohl ich betrogen wurde, habe ich nichts Unrechtes getan und nichts zu verbergen."
Das Netzwerk der Ausbeutung
Ähnliche Distanzierungen folgten von zahlreichen Prominenten, die in den Ermittlungsakten erwähnt werden:
- Der frühere britische Minister Peter Mandelson
- Die Ex-Frau von Prinz Andrew, Sarah Ferguson
- Verschiedene internationale Geschäftsleute und Politiker
Prinz Andrew selbst erlebte einen Tiefpunkt, als er im Februar 2026 für fast zwölf Stunden von der Polizei festgenommen wurde. Die Botschaft ist klar: Bekannt waren diese Persönlichkeiten alle mit Epstein - wirklich gekannt haben will ihn heute niemand mehr.
Der professionelle Missbrauchsring
Epstein betrieb gemeinsam mit seiner Gefährtin Ghislaine Maxwell über Jahre einen professionellen Missbrauchsring. Maxwell wurde 2022 unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken verurteilt. Die Zahl der Opfer bleibt bis heute unbekannt.
Bereits 2008 kam es zu einem umstrittenen Deal: Epstein gestand die Inanspruchnahme von Prostitution sowie die Beschaffung einer Person unter 18 Jahren zur Prostitution. Er trat eine 18-monatige Haftstrafe an, von der er weniger als 13 Monate verbüßte.
Die fortwährende Manipulation
Die New York Times veröffentlichte im November 2021 einen Bericht über Dokumente des Federal Bureau of Prisons, die zeigen, dass Epsteins manipulative Spielchen bis zuletzt andauerten. Zwei Wochen nachdem er einem Gefängnispsychologen versichert hatte: "Ich habe kein Interesse daran, mich selbst umzubringen. Ich bin schließlich ein Feigling", fand man ihn tot in seiner Zelle.
Vom Lehrer zum Milliardär
Die britische Rundfunkanstalt BBC stellte im Februar 2026 die Frage: "Wer war Jeffrey Epstein?" Der Mann, der heute als einer der bekanntesten Sexualstraftäter gilt, begann seine Karriere als Mathematik- und Physiklehrer in New York. Ab Ende der 1970er Jahre stieg er in die Welt des großen Geldes auf.
Sein Unternehmen soll Kunden mit weniger als einer Milliarde US-Dollar abgelehnt haben. Das frühere Image als Lebemann mit wechselnden Partnerinnen erscheint heute in völlig anderem Licht. Im Internet kursieren zahlreiche Fotos von Epstein Arm in Arm mit bekannten Persönlichkeiten, darunter auch mit Donald Trump, der stets betont, von den kriminellen Machenschaften nichts gewusst zu haben.
Die E-Mail-Verläufe aus Tausenden von Dokumentenseiten zeigen erschreckend deutlich: Epsteins Verbrechen wurden nicht trotz, sondern durch seinen Status als erfolgreicher Milliardär ermöglicht. Frauen und Mädchen als Objekte für Geschäftstreffen zu vermitteln, gehörte in seiner Welt zum guten Ton.
Die Frage, ob der eigene Lieblingsprominente in den Epstein-Akten steht, hat sich im Internet verselbstständigt. Während Maxwell in Haft beharrlich schweigt, bleibt das Ausmaß des Missbrauchsrings nur teilweise aufgeklärt - weite Teile der Ermittlungsakten sind weiterhin geschwärzt.



