Der Eklat um die verweigerte Ehrenbürgerwürde für den Fußball-Olympiasieger von 1976, Gerd Kische, hat nun auch Teterows künftigen Bürgermeister Robert Straßburg (SPD) erreicht. Die Teterower AfD spricht bereits von einer „Straßburg-Affäre“. Dabei war der künftige Rathaus-Chef gar nicht direkt an der unrühmlichen Debatte der Stadtvertreter über eine Ehrenbürgerschaft beteiligt, bei der hinter verschlossenen Türen offenbar wenig schmeichelhafte Worte über den ehemaligen DDR-Auswahlspieler gefallen sein sollen. Straßburg ist gar kein Stadtvertreter.
Hintergrund des Ehrenbürger-Streits
In nichtöffentlicher Sitzung hatten die Stadtvertreter Ende April einen Antrag der Fraktionen von AfD, UTF und „Die Teterower“ abgelehnt, den mittlerweile 74-jährigen Fußball-Olympiasieger, WM-Teilnehmer und DDR-Auswahlspieler zum Ehrenbürger in seiner Geburtsstadt Teterow zu ernennen. Die Ablehnung sorgte für erhebliche Kontroversen in der Stadt.
Vorwürfe gegen den designierten Bürgermeister
Offenbar hat es aber Ende des vergangenen Jahres Versuche gegeben, Gerd Kische in den Teterower Bürgermeister-Wahlkampf hineinzuziehen. Die Frage, die nun im Raum steht: Hat Robert Straßburg tatsächlich die Fußball-Legende um Wahlkampf-Unterstützung gebeten?
„Keine direkten Kontakte“ mit Herrn Kische seien zustande gekommen, antwortet Straßburg auf Anfrage des Nordkurier. Es habe aber im November im Rahmen der Wahlkampfkonzeption Überlegungen und Versuche gegeben, Unterstützer für den Wahlkampf zu gewinnen. Straßburg spricht von „unverbindlichen - vor allem mündlichen - Anfragen an Persönlichkeiten des kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und sportlichen Lebens aus Teterow, unter anderem angeregt und durchgeführt durch Wahlkampfunterstützende“.
Doch offenbar ist daraus nur selten und im Falle Kische gar nichts geworden - „aus diversen Gründen und Umkonzeptionierungen“, wie Straßburg mitteilt: „Eine mögliche Zusammenarbeit wurde daher keinerseits weiterverfolgt.“
AfD vermutet Retourkutsche
Die Teterower AfD-Fraktion vermutet dennoch, die SPD habe die Ehrenbürgerschaft verweigert, weil Kische den SPD-Kandidaten im Wahlkampf nicht unterstützen wollte. AfD-Fraktionschef Mathias Schmitus spricht von einer „Retourkutsche“. „Wir sehen durch dieses SPD-Manöver das Ansehen Teterows und die Reputation des kommenden Teterower Bürgermeisters beschädigt“, erklärt Schmitus am Mittwoch.
SPD weist Vorwürfe zurück
Teterows SPD-Fraktions-Chefin Grit Schmelzer weist diesen Vorwurf energisch zurück. Sie habe zum Zeitpunkt der Stadtvertretung noch gar nichts von Überlegungen gewusst, Gerd Kische eventuell in den Wahlkampf einzubinden, sondern davon erst vor wenigen Tagen erfahren. „Bei unserer Entscheidung zur Ehrenbürgerschaft ging es allein um die persönliche Eignung von Herrn Kische für diese höchste Ehrung der Stadt Teterow“, sagt Grit Schmelzer. Sie sei ja nicht grundsätzlich gegen eine Würdigung, aber eben nicht mit der Ehrenbürgerschaft.



