Eher zufällig ist Elke Stolze nach der Wende auf das Thema Frauengeschichte gekommen. Es ließ sie nicht mehr los. Für ihren Einsatz beim Projekt „FrauenOrte Sachsen-Anhalt“ ist sie jetzt für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert.
Von Annette Herold-Stolze
13.05.2026, 16:15
Findet, dass Frauengeschichte viel mehr Aufmerksamkeit verdient: Die Historikerin Elke Stolze hat vor bald 26 Jahren das Projekt „FrauenOrte Sachsen-Anhalt“ begründet und begleitet es bis heute. (Foto: Steffen Schellhorn)
Eine zufällige Begegnung mit der Frauengeschichte
Es hätte vielleicht nahegelegen, aber Elke Stolze hat es sich nicht direkt ausgesucht. Und doch ist Frauengeschichte zum Thema geworden, das das Berufsleben der promovierten Historikerin aus Halle prägen sollte. Für ihr Engagement als Begründerin und Begleiterin des Projektes „FrauenOrte in Sachsen-Anhalt“ ist sie jetzt für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ vorgeschlagen worden.
Dabei sah es nach der Wende, als sie nach Studium und Tätigkeit an Halles Universität, im Stadtarchiv und später an der Pädagogischen Hochschule arbeitete, erst einmal nicht so aus, als würde sie weiter in ihrem Fach arbeiten können. Wie so viele andere in dieser Zeit stand Elke Stolze ohne Arbeit und ohne Aussicht auf eine neue Anstellung da.
Mit dem halleschen Verein Courage ein Projekt zur Frauengeschichte auf den Weg gebracht
Das sollte sich auch mit ihrer dann absolvierten Ausbildung zur Fachinformatikerin nicht ändern, wie sie erzählt. Sie sei überqualifiziert und zu alt, habe sie, damals in der zweiten Hälfte ihrer Dreißiger, beim Arbeitsamt gehört. Und dann kam Elke Stolze mit dem halleschen Verein Courage in Verbindung und dessen Plänen, ein Projekt zur halleschen Frauengeschichte auf den Weg zu bringen.
„Ich habe schon so viel gemacht, warum nicht auch Frauengeschichte?“, habe sie sich gesagt, erzählt Elke Stolze. Heute, mehr als 30 Jahre später, findet sie: „Das war das Beste, was mir passieren konnte. Das Thema interessierte mich, und ich konnte meinen beruflichen Hintergrund nutzen.“
„Frauen machen Geschichte“: Was Frauen in der Vergangenheit geleistet haben
Der Verein habe mit „Frauen machen Geschichte“ zu den Ersten gehört, die sich in Halle damit befassten, was Frauen in der Vergangenheit geleistet haben. Das Thema ließ Elke Stolze nicht mehr los, auch wenn sie in ihrer Arbeit auf Hindernisse stieß. Die schwierige Quellenlage bei einer männlich geprägten Geschichtsschreibung ist nur eines von vielen.
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Aber mit Widrigkeiten hatten auch die Frauen umgehen müssen, mit deren Leben sie sich im Laufe der Jahre intensiver beschäftigte. So wie die Frauenrechtlerin und Schulreformerin Hildegard Wegscheider, die 1895 als erste Frau im Königreich Preußen das Abitur ablegte.
Hildegard Wegscheider hat als zweite Frau an der hiesigen Universität promoviert
Als sie sich anschließend in Berlin um einen Studienplatz bewarb, scheiterte sie an der Ansicht des zuständigen Professors, Studenten müssten trinkfest sein. In Halle habe man das anders gesehen und sie zugelassen. Hildegard Wegscheider habe als zweite Frau an der hiesigen Universität promoviert, berichtet Elke Stolze.
Für sie ging es unter anderem mit dem Projekt „Frauenzimmer“ weiter - und parallel mit einem Vorhaben zur Weltausstellung „Expo 2000“. Mit der Überzeugung, dass der damit verbundenen Landesausstellung die weibliche Perspektive fehle, hat sie sich wie andere aus dem frauenpolitischen Arbeitskreis der Expo GmbH Sachsen-Anhalt eingemischt. Das Ausstellungskonzept wurde damals nicht geändert, wie Elke Stolze berichtet, doch es habe die Zusage gegeben, dass ein Frauenprojekt aufgelegt werden solle.
„FrauenOrte“: Zunächst 25 Orte mit Hinweisschildern zur Rolle Frauen in der Geschichte
Nur was für eins? Ihr Chef bei der Expo GmbH habe ihr aufgetragen, sich etwas einfallen zu lassen, dass ihn überzeugt. „Dir muss etwas einfallen“, habe sie sich gesagt. „Sonst heißt es, die Frauen hätten ja gekonnt, aber sie haben nichts gemacht.“
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So sind die „FrauenOrte“ entstanden: Zunächst um die 25 Orte, deren Besucher über Hinweisschilder erfahren können, welche Rolle Frauen dort in der Geschichte gespielt haben. Inzwischen sind es landesweit mehr als 50; in Halle gehören unter anderem das Mutterhaus des Diakoniewerks und die Kunsthochschule Burg Giebichenstein dazu.
„Frauengeschichte als Teil von Landesgeschichte sichtbar machen“
Dabei ist Elke Stolze immer nach einem ähnlichen Prinzip vorgegangen: Akteure vor Ort sollten sich beteiligen, und man griff auf Material zurück, dass zum Beispiel durch Recherchen der in den 90ern zahlreichen ABM-Projekte zur Regionalgeschichte bereits vorlag. „Mir war wichtig, dass nicht ich sage, wie es läuft, sondern dass die Leute vor Ort den Stempel drücken.“ Mittlerweile ist das Projekt in Trägerschaft des Courage-Vereins, in dessen Vorstand Elke Stolze bis heute ehrenamtlich mitarbeitet. Keine Frage, dass sie es bis heute begleitet. „Es gibt noch ausreichend zu tun“, sagt sie. „Frauengeschichte als Teil von Landesgeschichte sichtbar zu machen, da kann man nicht genug Ideen haben.“
Dieser Preis würdigt Ehrenamtler in Halle und dem Saalekreis
Auch in diesem Jahr wird der Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ wieder an Menschen und Organisationen verliehen, die sich in Halle und dem Saalekreis für ihre Mitmenschen ehrenamtlich engagieren. Personen jeden Alters, Vereine, lose Gruppen oder Initiativen können dafür noch bis zum 16. Mai unter www.esel-auf-rosen.de vorgeschlagen werden. Eine Jury entscheidet über die Gewinner, die am 22. August im Neuen Theater Halle ausgezeichnet werden. Vorschläge können noch bis 16. Mai eingereicht werden. Der „Esel, der auf Rosen geht“ ist eine Initiative der Mitteldeutschen Zeitung, der Volksbank und des Neuen Theaters.



