Systematischer Missbrauch durch Dessauer Karatetrainer: Zwei Opfer brechen ihr Schweigen
Ein ehemaliger Karatetrainer aus Dessau-Roßlau ist wegen schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer seiner Schüler zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Dessau verhängte gegen den 54-Jährigen eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung. Die Taten erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren und betrafen mehrere minderjährige Schülerinnen und Schüler.
Hunderte Missbrauchstaten über viele Jahre
Zwei der Geschädigten, die unter den Pseudonymen Finn (24) und Alexandra (18) auftreten, haben sich erstmals öffentlich zu den systematischen Übergriffen geäußert. Finn wurde in den Jahren 2004 bis 2013 missbraucht, Alexandra von 2017 bis 2020. Bei den ersten Taten waren die Opfer gerade einmal sieben beziehungsweise neun Jahre alt.
„Er war superdreist. Niemand hat gehandelt“, beschreibt eines der Opfer das Vorgehen des Täters. Die Missbrauchshandlungen sollen sich über hunderte Male erstreckt haben und fanden sowohl im Trainingsumfeld als auch in privaten Räumlichkeiten statt.
Gerichtsverfahren und Revision
Das Landgericht Dessau bewertete die Taten als besonders schwerwiegend und verurteilte den Angeklagten entsprechend. Die Sicherungsverwahrung wurde angeordnet, da von dem Verurteilten weiterhin eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Gegen das Urteil hat der Verurteilte jedoch Revision eingelegt, sodass der Fall möglicherweise noch vor höheren Instanzen verhandelt werden muss.
Die Staatsanwaltschaft hatte während des Prozesses zahlreiche Beweismittel vorgelegt, darunter Zeugenaussagen mehrerer Opfer und dokumentierte Spuren. Die Verteidigung versuchte hingegen, die Glaubwürdigkeit der Aussagen in Frage zu stellen.
Opfer schildern traumatische Erfahrungen
Finn und Alexandra beschreiben in ihren Berichten ein System der Abhängigkeit und des Machtmissbrauchs. Der Trainer nutzte seine Autoritätsposition und das Vertrauen der Familien systematisch aus. „Man fühlte sich gefangen und hatte das Gefühl, niemandem davon erzählen zu können“, schildert eines der Opfer die psychische Belastung.
Beide Betroffenen betonen, dass sie nicht die einzigen Opfer waren. Weitere Schülerinnen und Schüler sollen ebenfalls betroffen gewesen sein, haben sich aber bisher nicht öffentlich geäußert. Die Aufarbeitung der Taten und die strafrechtliche Verfolgung stellen für die Geschädigten einen wichtigen Schritt zur Verarbeitung des Erlebten dar.
Folgen für den Verein und das Umfeld
Der Fall hat erhebliche Auswirkungen auf den betroffenen Karateverein und das sportliche Umfeld in Dessau-Roßlau. Vereinsverantwortliche müssen sich Fragen nach möglichen Versäumnissen bei der Aufsicht und Prävention stellen. Die Opfer kritisieren, dass trotz verdächtiger Anzeichen über Jahre hinweg niemand eingeschritten sei.
Experten fordern angesichts solcher Fälle strengere Kontrollmechanismen im Jugendsport und bessere Schulungen für Trainer und Vereinsverantwortliche. Die Sensibilisierung für Grenzüberschreitungen und Machtmissbrauch im Sportbereich müsse deutlich verbessert werden.



