Krypto-Betrug in München: Rentner verliert fast 100.000 Euro durch Talkshow-Masche
Ein Rentner aus dem Münchner Stadtteil Nymphenburg hat innerhalb kurzer Zeit annähernd 100.000 Euro verloren, nachdem er auf eine betrügerische Kryptobörse hereingefallen ist. Die Werbung für die Plattform suggerierte enorme Renditen in kürzester Zeit und nutzte dabei eine dreiste Masche mit einem angeblichen Bezug zur Talkshow von Sandra Maischberger.
Die dreiste Masche mit der angeblichen Talkshow
Die Internetwerbung, die dem Rentner auffiel, wirkte auf den ersten Blick seriös: Sie zeigte ein Foto, das fälschlicherweise einen Zusammenhang mit der Talkshow von Sandra Maischberger herstellte. Laut der Werbung habe ein Studiogast in der Sendung verraten, wie er in kürzester Zeit reich geworden sei. Dies war jedoch ein kompletter Schwindel, da die fragliche Ausgabe der Talkshow nie existiert hat. Die Betrüger erklärten im Netz, die Show sei nie ausgestrahlt worden, weil andernfalls das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen würde – eine weitere dreiste Lüge.
Solche Methoden sind nicht neu: Bereits in der Vergangenheit wurden ohne Wissen oder Zustimmung prominente Gesichter wie Schauspieler, Politiker und Moderatoren für dubiose Finanzgeschäfte missbraucht. Im Fall des Münchners lockten die Täter mit angeblichen Gewinnen von bis zu 50.000 Euro innerhalb einer Woche.
Wie der Betrug ablief
Der über 80-jährige Rentner nahm im November Kontakt zu der Kryptobörse auf und richtete ein digitales Wallet ein, das den Zugriff auf Geschäfte mit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum ermöglicht. Anfangs investierte er nur kleine Beträge, doch schnell wurden die Summen größer. Was er nicht wusste: Er war auf eine Fake-Seite im Internet hereingefallen. „Entgegen seiner Annahme, dass dieses Geld in Kryptowährungen investiert wurde, landete es ausschließlich in Täterhand“, erklärt Andreas Wübert, Chef des ermittelnden Kommissariats 72.
Die angeblichen Kursgewinne existierten nicht. Maximilian Süß, Ermittler bei K72, berichtet: „Es gibt Fälle, da heißt es, man könne angeblich aus 500 Euro binnen einer Woche 50.000 Euro machen.“ Im Lauf der Monate überwies der Rentner insgesamt rund 60.000 Euro und kaufte Kryptowährungen für etwa 20.000 Euro. Die Fake-Börsen sind so manipuliert, dass die Drahtzieher im Hintergrund die Charts und angeblichen Gewinne nach Belieben steuern können – alles nur ein großer Schwindel.
Ungewöhnliche Wendung: Kontakt in der realen Welt
Mitte Dezember 2025 traten plötzlich Probleme auf: Die Betreiber behaupteten, elektronische Geldtransfers seien nicht mehr möglich. In einer ungewöhnlichen Wendung für Internetkriminalität nahmen die Täter dann in der realen Welt Kontakt zum Opfer auf. Der Rentner ließ sich überzeugen, eine größere Summe abzuheben und einem Kurier in Nymphenburg zu übergeben.
Erst als der Sohn des Opfers auf die ungewöhnlich hohen Finanztransaktionen aufmerksam wurde, schöpfte er Verdacht und alarmierte die Polizei. Die Krypto-Gangster meldeten sich erneut und forderten weitere 12.000 Euro. Diesmal jedoch warteten Kripo-Beamte auf den Kurier und nahmen einen 22-jährigen Mann aus der Ukraine fest, gegen den Haftbefehl erlassen wurde.
Steigende Betrugsfälle in München
Die Ermittler von K72 verzeichnen seit etwa zwei Jahren eine starke Zunahme bei Betrügereien mit Kryptobörsen. Der Dezember 2025 war besonders rekordverdächtig. Der Gesamtschaden durch Krypto-Gaunereien in München im vergangenen Jahr wird auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.
Für die Opfer bedeutet dies nicht nur enorme finanzielle Verluste, sondern oft auch ein Trauma und tiefes Misstrauen. Es sind keineswegs nur ältere Menschen betroffen: Nach Erfahrungen des Kommissariats K72 fallen auch junge, technikaffine Menschen in ihren 20ern auf solche Masche herein, die sich mit Finanzgeschäften auszukennen glauben.



