Lasso-Bande: Brutale Geldautomaten-Raubserie in Süddeutschland und Schweiz
Eine besonders brutale Raubüberfallserie beschäftigt derzeit die Polizeibehörden in Süddeutschland und der angrenzenden Schweiz. Die sogenannte Lasso-Bande, die europaweit aktiv ist, hat in den vergangenen Wochen zahlreiche Tankstellen in Oberbayern, Schwaben und Baden-Württemberg ins Visier genommen. Die Täter verwenden dabei eine äußerst brachiale Methode, bei der sie mit Stahlseilen und Fahrzeugen Geldautomaten aus den Wänden reißen.
Wilde Verfolgungsjagd in München endet mit Festnahme
Einem ersten Durchbruch in den Ermittlungen gelang der Polizei in München am vergangenen Sonntag. Kurz vor Mitternacht fiel einer Zivilstreife an der Allguth-Tankstelle in der Boschetsrieder Straße ein verdächtiger Opel Combo mit Friedberger Kennzeichen auf. "In dem Lieferwagen saßen zwei Männer, einer von ihnen war komplett maskiert", berichtet Benedikt Mühlrath vom ermittelnden Kommissariat 52.
Als die Polizisten den Wagen kontrollieren wollten, gab der Fahrer Vollgas und begann eine wilde Flucht durch die Stadt. Die Verfolgungsjagd führte von Obersendling quer durch München bis auf die Autobahn A96, wo der Combo zeitweise mit bis zu 180 km/h unterwegs war. In Freiham endete die Flucht schließlich in einer Sackgasse im Gewerbegebiet. Die beiden Männer ließen das Fahrzeug stehen und flüchteten zu Fuß.
Die Beamten konnten einen 40-jährigen Rumänen festnehmen, der sich mittlerweile in Untersuchungshaft befindet. Sein Komplize entkam jedoch unerkannt. Der verwendete Opel Combo war laut Polizeiangaben am Vortag bei einem Einbruch im Landkreis Aichach-Friedberg gestohlen worden.
Die brachiale Lassowurftechnik
Die von der Bande angewandte Methode ist sowohl einfach wie auch extrem gewalttätig. Nachts dringen die Täter in Tankstellen ein, legen ein robustes Stahlseil um einen Geldautomaten und befestigen das andere Ende an der Abschleppvorrichtung eines Fahrzeugs. Anschließend geben sie Vollgas und reißen den Automaten mit roher Gewalt aus der Wandverankerung.
Bei der Kriminalpolizei ist diese Vorgehensweise als "Lassowurftechnik" bekannt. Die Methode hat sich in den vergangenen Monaten als äußerst effektiv erwiesen, obwohl sie enorme Sachschäden verursacht und ein hohes Gefahrenpotenzial birgt.
Weitere mutmaßliche Taten der Bande
Die Ermittler vom Kommissariat 52 gehen davon aus, dass dieselbe Bande für eine ganze Serie von Überfällen verantwortlich ist:
- Am 2. März versuchten Unbekannte eine Allguth-Tankstelle in Unterschleißheim zu überfallen. Als das Aufstemmen der Eingangstür scheiterte, donnerten sie mit einem gestohlenen VW Golf durch die Glastür. Der anschließende Lassowurf-Versuch mit dem Golf scheiterte jedoch an der mangelnden Zugkraft des Fahrzeugs.
- In Landsberg am Lech verwendeten Einbrecher am 4. März ein Auto als Rammbock, um in eine Tankstelle einzudringen und den Geldautomaten herauszureißen.
- Mitte Februar gelang der Bande in Eching im Landkreis Freising ein erfolgreicher Überfall, bei dem sie den Geldautomaten tatsächlich aus der Wand rissen.
Der bei dem Überfall in Unterschleißheim verwendete VW Golf war etwa zwei Wochen zuvor in Memmingen gestohlen worden und trug Kennzeichen aus Schwabmünchen. Genau in dieser Region im Landkreis Augsburg begann am 17. Februar die aktuelle Serie der Überfälle.
Europaweite Aktivitäten der Lasso-Bande
Die Ermittlungen erstrecken sich mittlerweile über mehrere Bundesländer und sogar Ländergrenzen hinweg. In rund zehn Fällen ermitteln die Beamten von K52 aktuell, wobei die Serie nicht auf Deutschland beschränkt bleibt. Auch in der Schweiz sind bereits ähnliche brachiale Raubüberfälle auf Tankstellen verübt worden.
Die Polizei warnt Tankstellenbetreiber vor der erhöhten Gefahr und rät zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen. Gleichzeitig setzen die Ermittler ihre Fahndung nach den weiteren Mitgliedern der Bande intensiv fort, wobei sie von der europaweiten Vernetzung der Täter ausgehen.



