Chaotischer Auftakt im Magdeburger Prozess gegen Weihnachtsmarkt-Attentäter
Der 25. Verhandlungstag im Prozess gegen den Magdeburger Weihnachtsmarkt-Attentäter Taleb al-Abdulmohsen begann am Montag, dem 23. März 2026, mit einem handfesten Eklat. Statt wie geplant um 9.30 Uhr zu starten, erlebte das Landgericht Magdeburg einen turbulenten Morgen, der die Verhandlung deutlich verzögerte.
Angeklagter verweigert Teilnahme und wird getragen
Der 51-jährige Angeklagte, der aus der Justizvollzugsanstalt Burg nach Magdeburg gebracht worden war, weigerte sich zunächst, freiwillig am Prozess teilzunehmen. Vier Spezialkräfte der Justiz mussten ihn daraufhin in den Sicherheitsglaskasten innerhalb des Gerichtssaals tragen. Bereits während des Transports und nach seiner Platzierung im speziellen Sicherheitsbehälter randalierte al-Abdulmohsen lautstark.
Aus dem Glaskasten waren wiederholt aggressive Rufe zu vernehmen, darunter die Äußerung „Deutschland – Nazi-Land …“. Der Angeklagte versuchte offenbar, sich selbst zu verletzen, woraufhin die Justizbeamten ihn zunächst wieder aus dem Saal brachten, bevor er später erneut hereingeführt wurde.
Streit um Verhandlungsfähigkeit des Attentäters
Noch vor Beginn der eigentlichen Beweisaufnahme musste das Gericht zunächst klären, ob Taleb al-Abdulmohsen überhaupt verhandlungsfähig ist. Die Anstaltsärztin der JVA Burg hatte zuvor mitgeteilt, dass der 51-Jährige über Magenschmerzen klage, wenig getrunken habe und an Gewicht verloren habe. Sie stufte seine Verhandlungsfähigkeit als „erheblich eingeschränkt“ ein, betonte jedoch, dass Haft- und Transportfähigkeit gegeben seien.
Ein hinzugezogener Rechtsmediziner widersprach dieser Einschätzung teilweise und erklärte, die gemessenen Vitalwerte sprächen nicht grundsätzlich gegen eine Teilnahme am Prozess. Der Angeklagte selbst kündigte an, der Verhandlung nicht folgen zu wollen und äußerte zudem Suizidgedanken.
Hintergrund: Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt
Taleb al-Abdulmohsen muss sich vor dem Landgericht Magdeburg für den schweren Anschlag auf den Weihnachtsmarkt der Stadt kurz vor Weihnachten verantworten. Laut Anklage steuerte er einen PS-starken Mietwagen etwa 350 Meter über das Gelände des Weihnachtsmarktes. Bei der Tat kamen fünf Frauen und ein neunjähriger Junge ums Leben. Mehr als 300 Menschen wurden teilweise schwerst verletzt.
Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten sechsfachen Mord sowie versuchten Mord in 338 Fällen vor. Der Prozess zieht sich bereits über mehrere Verhandlungstage hin und wird von der Öffentlichkeit sowie den Angehörigen der Opfer mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.
Die chaotischen Szenen zu Beginn des 25. Verhandlungstages unterstreichen die emotional aufgeladene Atmosphäre dieses bedeutenden Strafverfahrens. Die Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere der Einsatz des Sicherheitsglaskastens, bleiben angesichts des Verhaltens des Angeklagten weiterhin notwendig.



