Grausiger Fund bei Aufräumarbeiten: Menschliche Skelett-Teile in Kargow entdeckt
Bei Aufräumarbeiten auf dem Gelände des stillgelegten Rhone-Betonwerks in Kargow haben Arbeiter am Mittwoch einen schockierenden Fund gemacht. Zwischen morschen, halb verwitterten Holzpaletten aus DDR-Zeiten am Waldrand entdeckten sie menschliche Skelett-Teile, darunter auch einen Schädel. Die Polizei bestätigte den Fund am Donnerstag und sicherte die Knochen für weitere Untersuchungen.
Polizei leitet umfangreiche Ermittlungen ein
Claudia Berndt, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg, teilte mit, dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden und in alle Richtungen gingen. „Es ist noch viel zu früh, um etwas darüber sagen zu können, ob es sich um Knochen einer Frau oder eines Mannes handelt und wie lange diese dort möglicherweise schon liegen“, so Berndt. Rechtsmediziner sollen nun anhand der Knochen herausfinden, um wen es sich handelt – ein Prozess, der erfahrungsgemäß eher Wochen als Tage dauern könnte.
Parallel würden die offenen Vermisstenfälle in der Region der letzten Jahrzehnte abgeglichen, wobei es aktuell keine konkreten Hinweise auf einen bestimmten Vermisstenfall gebe. Neben den Knochen wurden nach Informationen unserer Zeitung auch Kleidungsstücke gefunden.
„Da hätte jeder jederzeit etwas ablegen können“
Ein Mitarbeiter des Aufräumtrupps, der anonym bleiben möchte, beschreibt die beunruhigende Situation: „Das macht schon ein mulmiges Gefühl. Wer weiß, wie lange dort schon ein toter Mensch lag, während wir hier gearbeitet haben?“ Der Fundort liegt auf einer Anhöhe am Waldrand, die auch außerhalb des Werksgeländes erreichbar ist. „Man müsse gar nicht unbedingt über das Betriebsgelände, um auf das abgesperrte Waldstück zu gelangen, denn da gebe es Möglichkeiten durch den Wald, und auch der Zaun sei nicht mehr der beste“, so der Mitarbeiter weiter. „Da hätte jeder jederzeit etwas ablegen können. Vielleicht ist es einer von den Vermissten aus der Region.“
Schädel-Fund löst Polizeieinsatz aus
André Zimmermann aus Malchow, der für die Abwicklung des Betonwerks und die Beräumungsaktion verantwortlich ist, erhielt die erste Information telefonisch: „Wir haben eine Leiche gefunden, hatte man mir am Telefon mitgeteilt. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte.“ Konkret sei der erste Fund ein Schädel gewesen. Als klar gewesen sei, dass dieser zu keinem Tier passe, habe man umgehend die Polizei alarmiert.
Ein Mitglied des Aufräumtrupps spekuliert über die Umstände: „Vielleicht lag die Person nicht lange dort, und Wildtiere haben sich daran zu schaffen gemacht, und dadurch kam die Sache ans Licht.“
Betonwerk wird seit einem Jahr abgewickelt
Das Rhone-Betonwerk in Kargow hatte Ende des vergangenen Jahres die Produktion eingestellt. Laut Liquidator Zimmermann handelt es sich nicht um eine Insolvenz, sondern um eine geordnete Abwicklung, da die drei inzwischen pensionierten Geschäftsführer keine Nachfolger gefunden hätten. Seit einem Jahr werde nun alles verkauft und ein Neustart für das Industriegelände versucht.
Das Werk, das im kommenden Jahr den 100. Jahrestag seit seiner Gründung hätte feiern können, liegt etwas außerhalb von Kargow – einem beliebten Tourismusort am Rand des Müritz-Nationalparks. Eine holperige Plattenstraße führt zu dem alten Werksgelände, auf dem sich nach Feierabend Fuchs und Hase Gute Nacht sagen.
Ob die Polizei im Zuge der Ermittlungen und der Arbeit in der Rechtsmedizin erneut auf das Gelände kommen wird, um weiterzusuchen, war am Donnerstag noch unklar. Die Aufräumarbeiten sollen unterdessen in Kargow weitergehen.



